14. Januar 2013

Bin ich? Bin ich!

Zuviel Mad Men Folgen hintereinander gucken ist gar nicht gesundheitsschädlich, wie vielerorts oft vermutet wird. Vielmehr kommt hier die Volksweisheit zu Tragen, dass Fernsehen bildet. Denn nur wenn man viele Folgen schnell hintereinander guckt, fällt einem auf, dass die Damen der Serie nicht mit Kleopatra verwandt sind und somit ihre Kleidungsstücke zweimal oder sogar noch öfter anziehen.

So begegnete mir neulich öfter Das Blaue Kleid.

Via nopatternrequired

Ärmelchen!
Rundhalsausschnitt!
Godets!
Kontrast!
Kräftiges Blau!
Strahlendes Rot!
Knöpfe!


Und da ich vom kirschenkind gelernt habe, dass es für eine Frau nur schicklich ist, mehrere Kleider des gleichen Schnitts zu besitzen, wird es Zeit für Kleid 3 des Knipkleides.

Blau und Rot sind also von Nöten und wie der Zufall es wollte, landete ich am Freitag in einem unbeobachteten Moment im Stoffladen um die Ecke. Und wie der Zufall es wollte, hingen unbeobachtet das richtige Blau und das richtige Rot an der Schnäppchenstange.

Ich befingere. Ich nehme von der Stange und breite aus. Ich halte gegeneinander. Ich verliebe mich.

Natürlich ist es nur so ein Sommerflirt, der einem im realen Leben völlig absurd vorkommen würde, denn meine Liebe ist 100 % Polyester. Innerlich singe ich, äußerlich sprühen Funken. Ob ich da schon anfange zu schwitzen kann ich im Nachhinein gar nicht sagen, denkbar ist es.

Die Welt um mich herum nehme ich kaum wahr, es ist ein Sommerflirt erster Güte. Doch bekomme ich immerhin mit, dass sich eine der Angestellten vehemment gegen weitere Bedienungswillige zur Wehr setzt, da ihr Zug nicht auf sie warten würde. Verstehe ich, ist mir aber ja auch egal, ich bin ja mit Fühlen beschäftigt. Das richtige Blau, das richtige Rot, nur zur Erinnerung.

Sie jagt an mir vorbei, Rucksack auf den Rücken schwingend, Mütze bereits auf dem Kopf.

Sie stockt an der Tür.

Sie dreht sich um, kommt auf mich zu und sagt:

Entschuldigung, sind sie zufällig Frau Basmati?

Ich halte inne, blicke auf und sage:

... Äh?

Eventuell hab ich ziemlich blöd aus der Wäsche geguckt. Eventuell habe ich auch gestammelt. Eventuell habe ich so dämlich wie selten gegrinst und "Ja" gesagt. Aber wie das so ist mit einem Sommerflirt erster Güte: er raubt einem den Verstand.

Ich geh wohl gleich nochmal hin und tu so, als wäre ich nicht überfordert damit, dass dort a) jemand arbeitet der das Internet kennt, der b) immer schon sehr nett schien und es nun wohl auch ist und der c) nicht immer wirklich furchtbare Witze macht.

Den Rest des Wochenendes habe ich überlegt, wie und ob ich diese neue Bekanntschaft wohl dazu nutzen könnte, ein Nähkränzchen zu finden, welches mir so überraschend wichtige Dinge wie das Einhalten beim Ärmeleinnähen VOR dem Einnähen der Ärmel erklärt. Ich drücke mir die Daumen.

Kommentare:

  1. Liebe Frau Basmati,
    gerne bin ich Ihnen bei der weiteren Auswahl an Stoffen und auch bei anderen Problemen behilflich. Merkeleske Bewegungsmuster kann und will ich nicht unterstützen!
    Jedoch ist meine Sprechzeit, Aufgrund von minderjährigen Mitbewohnern nur eingeschränkt verfügbar, um nicht zu sagen, auf die normalen Schulzeiten begrenzt.
    Gerne nehme ich das Angebot der Bahn, gegen Ende des Dienstes am Kunden, in Anspruch, mich ab 14:00 in die Heimat zu geleiten.
    Montags und Freitags immer!
    Ich hätte Sie wirklich gerne geholfen(wie der Öcher gerne sagt), aber wärend ich immer auf die DB warte und nicht fremdgehe, ist die Bahn nicht gewillt, das für mich auch zu tun.
    Sorry.
    Liebe Grüße
    die Abschneiderin


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    1. Liebe Abschneiderin,
      danke für die angedrohte Unterstützung im Kampf gegen merkeleske Bewegungsmuster und Beschaffung passenden Stoffes für drumrum. Ich tät mich sehr freuen, wenn Sie kommmenden Freitag am Arbeiten wären (wie der Öcher gerne sagt), sollte ich es bis 14 Uhr in das Ladenlokal um die Ecke schaffen. Die Eingewöhnung familieneigener Minderjähriger nimmt mich zwar zur Zeit - und urplötzlich möchte man fast sagen - bereitwillig und umfassend in Beschlag, aber ich werde mein Bestes geben. Vielleicht schafft es Wulfhild bis dahin ja auch mal, drei Löffel Mittagsbrei in Anwesenheit eines anderen Kindes zu essen, so dass ich sie nicht sooooo dringend vor dem Hungertod bewahren muss bei Ankunft im Postleitzahlenbezirk -064.

      In diesem Sinne,
      Cati Basmati

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  2. Liebe Frau Basmati,
    abgemacht!
    Ich denke, dass ich auch noch bis mindestens 15:30 Uhr zugegen bin.
    Karneval kommt immer so plötzlich. Der Öcher möchte doch gut aussehen, dem möchte ich nicht in Wege stehen.
    Die Scheren sind geschärft.....
    die Abschneiderin

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