30. Januar 2013

Historiker der Welt, verschwört Euch

Machmal ist Onkel Gott ja ein ganz lustiger und denkt sich schelmische Heiterkeiten aus, um seine Beschäftigten zu necken. So auch neulich.

Im schönsten Dom der Kaiserstadt zu arbeiten sorgt ja immer für sehr schöne und interessante Begegnungen mit Menschen aller Art. Manchmal aber auch für Begegnungen mit nur einem Menschen, wenn die Menschheit an sich gerade nicht so informationssüchtig ist und keine Lust hat, beim Schneetreiben durch den Dom zu wandern und staunend den Worten eines Domführers zu lauschen. Kann ich auch verstehen, so oft gibt es hier ja kein Schneetreiben, da kann man sich das nicht zu Gunsten des Gebäudes entgehen lassen, das schon seit vielen, vielen Jahren da steht und wahrscheinlich auch noch morgen oder gar übermorgen zur Besichtigung herumstehen wird.

Ich komme also nach einer Domführung zur Dominformation zurück und spinxe über den Kassentresen um zu sehen, wie viele Neugierige denn in der nächsten Führung zu bändigen sind. Für die Führung auf Deutsch sind nur wenige Karten verkauft. Um genau zu sein: eine. Nach Adam Riese sind das: Einer. Vielleicht auch Eine. In Worten: eins. 1.

Dann Lachen meinerseits, denn ich führe ja die fremdsprachlichen Besucher und das sind 20. Lohnt sich schon eher. Ich hatte jedoch nicht damit gerechnet, dass sich der Kollege auf den Boden wirft, jammert und mit erhobenen Händen fleht, dass wir doch tauschen, denn er führt lieber auf Englisch, als eine einzelne Person. Da weiß er nicht, wo er hingucken soll, das ist ihm peinlich.

Mir ist nichts peinlich.

Wir tauschen und ich ziehe mit dem Besucher von dannen. Freudestrahlend eröffne ich ihm, dass er Glück habe, denn außer ihm wollte kein anderer mehr diese Führung auf Deutsch mitmachen und so komme er für einen Appel und ein Ei und einige Teuronen zu einer Privatführung. Freudestrahlend, weil das ja auch für den Führenden nett ist, wenn man mal ein wenig mehr ausholen und auf eine einzelne Person und ihre Fragen eingehen kann. Ich brauch dann immer 15 Minuten länger als sonst, aber das ist ja erstmal nicht wichtig.

Nur eine Bitte habe ich an ihn: dass er bitte nicht Historiker sei. Ich habe Angst vor Historikern, auch wenn ich fast selber einer bin und in einer ziemlich historischen Stätte arbeite. In der ich mit historischem Halbwissen untermauerten Fakten um mich werfe.

Er lächelt. Ein wenig zu verschmitzt.

Eine Uni im Rurgebiet, Neuzeitforschung. Ich breche zitternd auf dem Kopfsteinpflaster im Domhof zusammen und weine. Es war dann trotzdem nett und am Ende hat er sich ehrlich für die nette Führung bedankt. Und pünktlich waren wir auch. Tschakkah.

Kommentare:

  1. Püh... das macht nervös, kann ich mir denken. Mich würde evtl. auch eine alleinige Führung nervös machen, das ist schon irgendwie komisch, oder? Andererseits ist es natürlich für den Geführten tatsächlich genial, so ein Privat-Ding zu bekommen!

    Dass Du Dom-Führungen machst, finde ich ja hochspannend! Habe ich bisher hier nicht mitbekommen. Ich war aber auch schon ewig nicht mehr in der Domstadt. Also in Deiner. In meiner schon! *lach*
    Ich glaube, meine letzte Berühung mit der Printenstadt war, als ich eigentlich auf dem Weg nach Venlo war, aber vor lauter Schwatzerei mit der liebsten Freundin nicht auf die Schilder geachtet habe... Plötzlich kurvten wir um den Kaiserbrunnen und wussten gar nicht, wie wir da hin gekommen sind *hüstel*
    Das nächste Mal werde ich also eine Führung buchen. Privat.

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  2. Hehe... "Mir ist nichts peinlich."
    Liebste Grüße, Nina

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  3. Ich finde FÜhrungen für einen gar nicht so schlimm. Außer derjenige ist doof. Oder Historiker. Ja, doch, ich verstehe das Dilemma :)!

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