23. Januar 2013

Ich und Du, Müllers Kuh, Müllers Raucherpause und nun Du

Gegenüber sind neue Mieter eingezogen. Gegenüber ist ein recht weitläufiger Begriff, aber ich meine eine ganz bestimmte Wohnung. Da, wo bis vor kurzem noch die Leute wohnten, die plötzlich ein Kind hatten. Also nicht so, wie Wulfhild plötzlich da war, sondern plötzlich war da ein richtiges Kind, das seinen 9. Geburtstag gefeiert hat.

Ich habe lange überlegt, ob es sich dabei um eine Form des Kinderkriegens handelt, die meine Cousine mal äußerst detailliert auf einer Kneipenserviette vertraglich geregelt hat, mit ihrem Schwager. Denn manche mögen keine Babies, andere mögen keine Kinder. Da kann man sich doch arrangieren.

Aber ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass es sich bei dem plötzlich kurz vor seinem 9. Geburtstag eingezogenen Kind um eine ganz normale, gesellschaftlich akzeptierte Form des Kinderkriegens gehandelt hat.

Wie dem auch sei, man ist nun anderweitig wohnhaft. Dafür wohnt nun ein Schluffi da. Aufmerksam wurde ich auf ihn, weil plötzlich immer jemand neben dem Eingang vom Augenarzt rumhing. Ein wenig schluffig, aber das ist ja nicht schlimm. Erst vermutete ich, dass es sich um die Begleitperson einer älteren Patientenperson handelte, aber die Idee schlug ich nach dem dritten Rumlungern in kürzester Folge in den Wind. Kürzeste Folge heißt hier einer dieser Tage, an denen ich ganz hässliche Abdrücke vom Fensterrahmen am Unterarm bekomme, weil ich zu faul bin, mir beim Untertanen grüßen und Königreich begaffen ein Kissen zu holen. Lohnt sich aber ja auch nicht, weil man es bei den Temperaturen eh nicht lange am offenen Fenster aushält.

Der geek klärte mich dann auf: das sind neue Mieter. Er und eine gar nicht schluffige Asiatin. Ich tippe auf Doktoranden einer Geisteswissenschaft. Eventuell dreistellige Semesterzahl.

Nun ist es so, dass er gar nicht rumlungert, sondern raucht. Und dabei angestrengt denkt, schließlich will man mal fertig werden mit dem Rumdoktorn. Ist er dann fertig mit rauchen und denken - bei besagten Temperaturen ist das recht fix - geht er wieder hoch. Und nach genau der Zeitspanne, die man für einmal Hochgehen in den zweiten Stock und einem Runtergehen vom zweiten Stock braucht, kommt sie aus der Haustür. Und stellt sich daneben. Und raucht.

Ich wundere mich. Stören sie sich sonst beim Denken? Hatten sie Streit und die Wohnung ist zu klein? Haben sie beide die Wohnung vollumfänglich gemietet und untereinander ein Time-Sharing organisiert?

Morgen bleibt Wulfhild vormittags alleine bei der Tagesmutter. Dann werde ich mal klingeln und fragen. Ganz unverbindlich.

Kommentare:

  1. die haben bestimmt ganz ganz viele nicht zu sehen und zu hörende Kinder, die sie nicht alleine lassen wollen, als verantwortungsvolle Schluffis.
    Was mich noch brennend interessieren würde: was machen sie mit den Zigarettenkippen?????? ganzneugierigbin
    Allerliebste Grüße
    Claudi

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    1. Ich habe heute schon zweimal genau den Moment verpasst, in dem das Rauchen beendet und die Tür wieder aufgemacht wird. Da guckt man einmal kurz nach dem Kind und schon hat man was verpasst...

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