10. Februar 2013

13. Brief an Alma

Liebe Alma,

diesen Monat bin ich ein bisschen spät. Und habe nicht mal eine Entschuldigung dafür, außer dass die Tage immer so schnell um sind. Das muss reichen.

Jetzt bist Du schon einen Monat lang EINS und obwohl ich Dich schon eine ganze Weile kenne, bin ich erstaunt was sich in einem Monat alles ändern kann. Wer ist nochmal dieses Garnichtmehrbaby, das da in Deinem Babyzimmer wohnt?


Wir haben Deinen ersten Geburtstag mit einer so gut wie kalorienarmen Torte gefeiert und bis auf LaOma waren auch alle gekommen, um mit Dir anzustoßen. (LaOma lag im Krankenhaus, das ist also entschuldigt.) Du hast Dich zwar weniger für die Torte als für die Verpackungsmaterialien der anderen Oma interessiert, aber das kann ja höchstens an der Aufregung gelegen haben. Oder an der Tatsache, dass Du damals nur lächerliche 7 Zähne hattest. Jetzt sind es ja schon 8.


Als Du letzten Monat krank warst, hast Du das Kuscheln für Dich entdeckt und lässt Dich täglich dazu herab, 2 Minuten am Stück auf meinem Arm zu liegen und zu nuckeln. Dabei umarmst Du mich erst mit Deiner beeindruckenden Babyspannweite und legst Dich dann entspannt ab, das ist so süß. Da würde ich Dich am liebsten gar nicht mehr loslassen. Aber nach gefühlten 3 Sekunden ist das ja auch genug Zärtlichkeit gewesen, da fängt der ganze Körper wieder an zu kicken und man sollte sehen, dass man Land gewinnt, da will gespielt werden. Ich genieße also die kurzen Momente einfach ein bisschen mehr.

Seit kurz nach Deinem ersten Geburtstag wohnst Du tagsüber bei einer Tagesmutter, damit ich wieder nördlich der Kaiserstadt Steine kloppen kann. Das ist super für Dich, nicht nur weil wir mit ihr und ihren Töchtern ja schon länger befreundet sind. Es gibt dort nämlich auch noch das Sumobaby, das Dich zwar die ersten drei Tage ein wenig eingeschüchtert hat, aber mit dem Du nun eine ganze Menge Unfug anstellen kannst. Besonders gerne steht ihr zu zweit im Spagat vor der Puppenküche und rührt geschäftig in Euren Töpfen. Dann hält das Sumobaby Dir den Löffel hin, Du schmeckst ab, nickst und weiter gehts. Ich mach mir nie Sorgen ums Mittagessen, wenn ich das sehe.

Die Eingewöhnung war super. Ab Tag 3 hast Du dort Deinen Vormittagsschlaf gehalten und ansonsten lediglich zur Kenntnis genommen, dass ich da war. Ausreichend. Hauptsache Du wusstest, dass ich in der Nähe bin. Stück für Stück hast Du das Terrain erobert, immer mutiger im Umgang mit dem vielen neuen Spielzeug, dem mit vollem Körpereinsatz spielenden und vor Lebensfreude strotzenden Sumobaby  und der Tatsache, dass ich damit beschäftigt war, Dir im obersten Stockwerk ein Fotobuch zu basteln. Und jetzt ist es so, dass Du auf der Autofahrt lange vor Sonnenaufgang die Äuglein vor Müdigkeit reibst. Steigen wir aus dem Auto, stellst Du fest wo wir sind, Dein Körper spannt sich an und sobald wir geklingelt haben und sich auf der anderen Türseite eine Bewegung abzeichnet, vibrierst Du vor Erregung und quietschst vor Freude. Ich bin so stolz auf Dich.

Vom Sumobaby schaust Du Dir eine ganze Menge toller Sachen ab. Ich hätte schon gerne gesehen, wie Du behände wie eine Elfe auf den Kinderstuhl geklettert, Dich auf die Sitzfläche gestellt und an der Lehne festgehalten hast und freudestrahlend die Welt an Deiner Erfolg hast teilhaben lassen. Aber ich muss ja im Büro sitzen. Unfair. Eingewöhnung gefiel mir da besser.

Naja, das meiste ist toll, aber ein paar Verbesserungsvorschläge habe ich noch: Du hast Dir sofort abgeguckt, dass man prima mit einer Gabel essen kann. Ok, manchmal wird ein Stück Zucchini-Bratling aufgespiest, die Gabel wechselt die Hand, das Stück wird mit akribischem Pinzettengriff von der Gabel entfernt und dann wie gewohnt mit der Hand in den Mund gesteckt, aber im Prinzip ist das Essen mit der Gabel schon eine Fertigkeit, die Du nicht verstecken musst. Da man Brei aber nicht mit der Gabel essen kann oder will, isst Du nun von heute auf morgen nichts mehr von dem, was Du vorgestern noch geliebt hast. Ich komm da nicht hinterher.


Jetzt muss ich nur noch etwas finden, das Dich so satt macht wie ein großer Berg Grießbrei am Morgen und am Abend. Denn diese Tage, an denen Du gar nichts frühstücken willst, die machen mich nervös. Besonders, wenn Du davor auch keine Lust aufs Abendbrot hattest und das Mittagessen aus unerfindlichem Grund keinen Anklang fand. Also außer dass Du keine Zeit hattest, weil da noch wichtige Dinge zu spielen waren. Du wirst mal ein ganz schlimmer Workaholic.

Du hast ein neues Lieblingsspiel. Wir haben Dir im Kinderzimmer eine Höhle unter dem Schreibtisch gebaut und Du liebst es, pfeilschnell hinein zu krabbeln und dann glucksend darauf zu warten, dass wir lautstark und erstaunt feststellen, dass Alma weg ist. Wundern wir uns allerdings zu lange, wo sie denn sein mag, dann gluckst Du ein bisschen lauter und forderst plötzliches Gefundenwerden. Mit solchen Suchlegasthenikern als Eltern hat man es aber auch schwer.

Dumm war im letzten Monat dann aber, dass in meiner ersten Arbeitswoche Dein Papa krank war. Mit nicht nur schlimmem Männerschnupfen, sondern sogar was mit Fieber und alles. Da waren wir dann auf uns allein gestellt, was Dich verwirrte, da man den Papa ja suchen und finden konnte und er dann immer schlafend im großen Bett lag. Aus Sympathie wurdest Du halt selber krank. Das geht hoffentlich bald vorbei, denn an und für sich ist das Wetter schön und man könnte doch ein bisschen rausgehen, anstatt 6 Stunden verteilt über den Tag zu schlafen.

Ich vermisse jetzt schon unsere gemeinsamen Tage, kleine Maus. Aber Du wirst groß und drängst hinaus in die Welt. Was immer auch passiert, ich bin hier und nehme Dich in den Arm, vergiss das nicht.

In Liebe,
Mama

1 Kommentar:

  1. Hach, so eine süße Maus - und wie schnell die Zeit vergeht...

    s Faultier

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