26. März 2013

Schwer, schwerer, am schwersten

Ich will das ja nur hier nochmal schnell in Stein meißeln: ich habe es ganz schwer.

Die neueste Schwere meines Lebens ist darin begründet, dass ich zu Fuß zum Fußabtreter des Elfenbeinturms gehen kann und genau so auch von dort aus bequem und innerhalb eines überschaubaren Zeitfensters zurück zum heimischen Herd gelange. Und dazwischen? Dazwischen liegt nicht mehr das muckelig warme Büro mit Fußbodenheizung. Dafür kann man im Sommer sehr viel Grün sehen. Wenn die Knospen an den grauen Fangarmen vor dem Fenster doch noch aufgehen.

Aber es ist ja Winter. Niemand darf mehr jammern als ich, die noch vor Kurzem durch einen kurzen Sprint von der Haustür zum Auto die lebensbedrohliche Kälte lebensbedrohliche Kälte sein lassen und sich seufzend auf ihrer Sitzheizung in den Norden der Kaiserstadt chauffieren lassen konnte.

Die schönen Zeiten sind vorbei. Ich gehe zu Fuß. Auf Schusters Rappen. Und Schusters Rappen sind weder beheizt, noch sondern sie Körperwärme ab wie andere Rappen. Verloren auf voller Linie. Die ein oder andere Leserschaft wird hier vielleicht Einhalt gebieten wollen, liegt schließlich auf den Straßen der Kaiserstadt weder Eis noch Schnee, womit Hals- und Beinbruch doch nur leere Worthülsen sind. Ja, das sehe ich ein, auch sehe ich ein dass es ganz toll ist, bei dem heutigen Sonnenglanz die Nase in die Sonne zu halten, aber man muss schon genauer hinschauen.

Der Weg vom Fußabtreter des Elfenbeinturms bis hin zum heimischen Herd führt mitten durch den Konsum, lockt mit bunten Schaufenstern und dudelnder Kaufmusik, ist aber bei diesen Temperaturen gleichzeitig ein nahezu unüberwindbares Risiko. Wie oft hört man von Menschen, die mit ihren Nasen an Schaufenster festgefroren sind? Deren Finger in letzter verzweifelter Geste gen Konsum zeigen, bevor der Mensch auf dem Troittoir zusammenbrach und vereiste? Abgefrorene Zehen sind auch keine Seltenheit. GottseiDank liegt nach ca. einem Drittel des Weges die Dominformation, wo man sich nicht nur hervorragend kurz aufwärmen und somit dem Erfrierungstod vom Schippchen springen kann, sondern durch bewährten Dummschwätz die Lachmuskeln trainieren kann. Und Bewegung ist ja ganz wichtig, wenn es kalt ist.

Das nächste Wegintervall führt genau bis zum Drogeriemarkt des Vertrauens. Leider ist es an dieser Stelle unklug, sich zu dem Markt mit weitreichendem Kleidungs- und Schnickschnackangebot durchzuschlagen, denn der liegt genau so weiter weg vom heimischen Herd wie die Dominformation, nur weiter seitlich. Man gewinnt also nix außer Wärme. Viel klüger ist es, den anderen, kleinen Markt zu wählen, wo es dann aber so gut wie nix gibt, was man nicht schon besitzt. Glücklichmachende Spontankäufe gehören also nicht zum Feierabendritual.

Springt die Fußgängerampel vor dem kleinen Markt allerdings gerade erst auf Rot, wenn man aus dem Laden tritt, dann verlängert sich das Zeitfenster der frischen Luft wieder gefährlich, wodurch man gezwungen ist, im gegenüberliegenden und geheizten Karree einen Zwischenstop beim Zeitungskiosk einzulegen. Glücklichmachende Spontankäufe gibt es hier versehentlich doch, dafür ist dann der Geldbeutel leerer und man hat ggf. nicht ausreichend Bestechungsgelder für die Jungendlichen, die einen durch Eis und Schnee, sollten diese kommen und man ausrutschen, nach Hause tragen könnten.

Der nächste Stop, am heimischen Herd, ist zur Zeit auch lediglich ein Zwischenstop, der genutzt wird um zusätzliche Kleidungsschichten übereinanderzuzwiebeln, denn es gilt ja noch, Wulfhild abzuholen. Also wieder raus. In die Kälte.

Ich bin weinerlich, ich weiß.

Nun gut, Autofahrer an sich dürfen vielleicht auch jammern über den ellenlangen Winter. Die haben zwar eine Heizung um sich herum, müssen aber manchmal die Scheiben freikratzen. Also das jetzt nur die Fahrer ohne Garage. Mit Garage darf man nicht jammern. Außer man muss tanken, das ist wieder kalt und ohne Heizung. Wobei auch hier meine Sympathien klar bei der Minderheit der Gastankenden liegen, denn die müssen ja während des gesamten Tankvorgangs den Druckknopf betätigen, womit zumindest eine Hand dem Gefrierbrand zum Opfer fällt.

Einmal Wärme bitte. Ich würde auch teilen.

1 Kommentar:

  1. Ich hab grad köstlich in mich hineingeschmunzelt ;0)
    Ich, als nicht absehbare Zeitfenster per Fuß überbrücken müssendes Glückskind, bringe dir hiermit mein aus tiefsten Herzen hervorgebrachtes ungeteiltes Mitleid entgegen. Der Winter ist schon gemein und ungerecht, nech?! Aber freu dich, auf die bald mit Sicherheit kommenden von Sonnenstrahlen durchfluteten Wärmewellen, in denen du nicht den akuten Mangel einer Klimaanlage beweinst sondern sonnengebräunt dem Feierabend entgegenschlendern wirst ;0)
    Tröstet das etwas? Finger schon wärmer?

    Schöne Osterfeiertage noch!
    Liebgruß Doreen

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