7. Juni 2013

17. Brief an Alma

Liebe Alma,

schon wieder ist ein Monat ins Land gezogen und nachdem ich schon verzweifelt überlegte, ob ich Dir für den Sommer noch eine neue Daunenjacke kaufen müsste, hat sich dann doch der Frühling erbarmt und man kann endlich ohne Jacke, Matschhose und wärmende Mütze durchs Leben stiefeln. Wir beide begrüßen das sehr, ist Anziehen doch ein ungeliebtes Hobby. Und Deine nackten Spargelbeine in kurzen Hosen ein Augenschmaus.


Seit Du laufen kannst, bist Du innerlich um mindestens einen Meter gewachsen und dein Stolz ist sowieso bis in den Himmel geschossen. Leider brauchen wir nun oft gefühlte Stunden, um von einem Ort zum anderen zu kommen, denn jeder neue Bodenbelag wird untersucht, jedes Blättchen akribisch beguckt und jede Bodenunebenheit kritisch hinterfragt. Diese Woche haben wir die Springbrunnen vor dem Elisenbrunnen erprobt. Während wir auf Papa warteten, bist Du zu jedem einzelnen der kleinen Brunnen gelaufen, hast die Hand ins Wasser gehalten und Dich gefreut. Der beste Moment war allerdings der, als Du nach 20 Minuten ganz aufgeregt dem Papa mal zeigen wolltest, wie das funktioniert mit dem Wasser. Und beim Vorbeugen das Gleichgewicht verloren hast. Alle haben gelacht, das war gemein, aber es war zu süß. Kopfüber war dann auch das letzte trockene Fleckchen Haut Vergangenheit.


Wir haben einen Tragerucksack für Dich gekauft, denn selbst Du bist so langsam zu schwer für den BabyBjörn (ich hör schon alle schimpfen, bitte erspart uns das heute). Wandern also ab jetzt aus der Kamelreiterperspektive. Die gefällt Dir außerordentlich. Du thronst wie eine von und zu auf Deinem Thron und lachst der Welt entgegen. Neulich hast Du herausgefunden, dass Papa anfängt zu schunkeln, wenn Du ganz doll im Rucksack schunkelst, und schon ist das Leben noch ein bisschen besser geworden. Nun kannst Du selbst im Sitzen tanzen. Papa findet das nicht ganz so toll, aber bei ihm darfst Du trotzdem alles.


Vor zwei Wochen waren wir das erste Mal mit Dir im Krankenhaus. Du warst unglaublich unglücklich von einem Mäuerchen auf den Kopf gestürzt und durch den Schock mitten im Brüllen ohnmächtig geworden. Ein Anblick, den ich nie vergessen, aber auch nicht noch einmal erleben möchte. Im einen Moment noch Zeter und Mordio, im nächsten kein Atemzug, kein Geräusch, völlig erschlafft, dann gekrampft. Der Notarztwagen kam unglaublich schnell, Du warst aber zum Glück schon zu Dir gekommen. Zur Beobachtung sind wir dann doch mit ins Klinkum gefahren, wo wir dann leider über 48 Stunden bleiben mussten. Ich blieb mit Dir da, es war unglaublich anstrengend. Alles neu, alles aufregend, da soll mal einer schlafen können. Und eine unausgeschlafene Alma ist immer auf 180 und düst umher. Je müder, desto aktiver, das raubt mir die letzte Kraft. Aber immerhin wissen wir nun für einen echten Notfall, wie das alles so läuft. Und wir wissen auch endlich mal wieder ein paar Daten: 9 kg und angeblich 80 cm. Das zweifeln wir aber an, denn hier zuhause steht an der Messlatte am Türstock eine 76. Nun gut, bisschen Schwund ist immer. So um die 77 halt


Immer noch ist Kramen und Untersuchen das Wichtigste auf der Welt. Bücher lesen? Malen? Entschuldigung, das können doch die anderen machen. Du bist mit Einräumen und Ausräumen, Umräumen und Abräumen beschäftigt und bist den ganzen Tag in Bewegung. Ich überlege, ob ich einen Waldkindergarten für Dich ins Auge fasse, denn unglaublicherweise müssen wir darüber ja demnächst mal nachdenken. Noch ist das Kinderbüro angesagt, aber irgendwann wird es ja weitergehen.


Im Kinderbüro ist es am tollsten, wenn die Aquaplay Wasserbahn ausgepackt wird. Dann bekommt Spielen mit vollem Körpereinsatz eine völlig neue Dimension und ich danke dem guten Wetter, dass es endlich da ist. Bei neuen Spielen oder neuen Spielsachen guckst Du Dir allerdings immer noch erstmal alles aus der Entfernung an und probierst aus, wenn keiner guckt. Das ist in Ordnung, kleine Zaubermaus. Lass erstmal die anderen ausprobieren, wie es nicht geht, dann sparst Du Dir die Zeit.


Mausemädchen, Hexenkind, Mausepuckel, Frechdachs, Zaubermaus, Mäuschen, Schnuffelchen und Pupseblume. Du bist und bleibst das größte Glück.

In Liebe,
Mama

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