7. Juli 2013

18. Brief an Alma

Liebe Alma,

endlich ist der Sommer da! Das zwar nur die letzten beiden Tage, aber immerhin.

Den letzten Sommer hast Du zwar auch schon genossen, aber jetzt wo Du Dich ganz alleine bewegen und selber entscheiden kannst, was Du tun willst, ist es doch noch ein ganz großes Stück prächtiger, dieses Wetter. Wir versuchen, jede freie Minute mit Dir dort zu verbringen, wo entweder ein Spielplatz oder ein Springbrunnen ist, beides erfreut Dich gleichermaßen. Ich verdächtige Dich allerdings, noch ein bisschen mehr Fan von den Ausflügen zum Elisenbrunnen zu sein, wo man nicht nur durch die Wasserbecken pfllügen, sondern auch von Mamas und Papas Eis naschen kann.


Aber fangen wir doch von vorne an. Der Juni war ein langer dunkler Monat voller Kälte und Regen und Wind. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Aber immerhin war die Chance groß, als Mädchen erkannt zu werden, da Deine Übergangsjacke rot, lila und orange ist und eine Blümchendeko aufweist.


Die Zwergenzipfelmütze ist superpraktisch, da Du ja zielstrebig immer den flaschen Weg einschlägst, was Dich nicht weiter stört, aber unser Fortkommen doch arg verlangsamt. Im allerletzten Moment kann ich dann aber ohne Bücken einfach den Zipfel greifen und lenkend eingreifen. Das darf ruhig so bleiben. Da Du aber immer noch im Schneckentempo wächst und erst seit ein paar Tagen in Kleidergröße 80 nicht mehr ganz wie ein schlaffer Sack aussiehst, passt die Jacke sicher noch im Herbst. Es gab allerdings schon das zweite Paar Schuhe und die ersten Sandalen. Die ziehst Du aber am liebsten aus, weil die Klettverschluss haben. Ritschratsch, Schuh ab, Kind stolz.



Wir haben einen riesengroßen Ausflug nach Hamburg gemacht und Deinen neuen Kumpel Herkules besucht. Herkules wog schon bei der Geburt mehr als Du mit einem Monat, Du musst also aufpassen, dass er sich nicht eines Tages einfach auf Dich draufsetzt. Aber da mach ich mir dann mal Sorgen, wenn er sich selber bewegen kann. Die Autofahrt hast Du ohne zu mucken sehr gut gemeistert und man könnte annehmen, dass das Kinderwaschbecken einer Raststätte auf der A2 mit Lichtschrankenwasserhahn das Highlight Deines bisherigen Lebens war. Bis Seifenblasen ins Spiel kommen. Die kennst Du schon vom Babyschwimmen, aber damals war das Gerät an sich das Interessante. Nun erbebt Dein ganzer Körper und Du gluckst und jauchzt vor Freude und Aufregung, wenn das Pustefix ausgepackt wird. Zu dumm nur, dass man die Dinger nicht einfangen kann.

Und nun: Sommer. Planschen was das Zeug hält. Gießen, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Und jede Menge Eis. So muss das sein, so macht das Spaß. Zum Glück gibt es im Kinderbüro einen Sandkasten, eine große Spielwiese und eine Wasserbahn. Ich muss Dich also nur müde und zufrieden abholen, das ist beruhigend. Seit kurzem spielst Du sogar gleichzeitig mit den anderen Kindern im Sandkasten. Du bist nämlich eigentlich das vorsichtige Kind, das vom Rand aus mitspielt und erst mal die Anderen machen lässt. Und wehe, es fasst Dich einer an oder will Dich gar in den Arm nehmen. Von der Lautstärke her kommt das einem Vulkanausbruch gleich. Aber so langsam gibt sich das. Inzwischen nimmst Du beim Wandern sogar freiwillig ein anderes Kind an die Hand.


Auch Dein Wortschatz hat sich erweitert. Du sagst am liebsten Papa, Pieppiep für Vögelchen und Pipi für - na für was wohl. Nur dass Du immer noch nicht Mama sagst, das nehme ich Dir ein bisschen übel. Aber nur ein bisschen. Denn dass ich Dich mit Papa teilen muss und er die größere Hälfte von Dir bekommt, weiß ich ja schon länger.


Das wird ein toller Sommer, mein Herz.

In Liebe,
Mama

1 Kommentar:

  1. Immer wieder schön!
    Diese Briefe werden Deiner Tochter eines Tages sehr viel wert sein und vielleicht wird sie sie sogar noch ihren Enkeln zeigen! ;)

    Viele Grüße von
    Britta

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