7. August 2013

19. Brief an Alma

Liebe Alma,

wer ist denn das kleine Mädchen da? Das mit den süßen Spängchen im Haar, mit Kleid und Hut? Es ist unglaublich, wie groß Du im letzten Monat geworden bist! Und damit meine ich gar nicht Deine Körpergröße, denn die 80er Marke hast Du immer noch nicht wirklich geknackt, sondern Dein ganzes Ich. Du bist so viel mehr Kind und weniger Baby geworden, dass ich manchmal gar nicht weiß, wie mir geschieht.

Seit zwei Wochen sprichst Du. Mehr oder weniger. Vorher gab es Mama (lang ersehnt, dafür aber nur mit Schimpfton), Papa (andauernd, voller Bewunderung, voller Sehnsucht), Mäh, Piepiep, Wauwau, Pipi, Hu (denn keine Dame, die etwas auf sich hält, verlässt das Haus ohne Hut!) und Bu (ja, Du liest Bücher. Träume werden wahr!). Und in den letzten 10 Tagen sind mindestens 20 Wörter dazugekommen. Das reicht von Vermutungen meinerseits, dass Du die Gießkanne Titi nennst, über Namen für allerlei Dinge, wie 'ma für Oma, über Po für Prost! bis hin zu Gabel. Denn welches Kind braucht nicht das Wort Gabel tausendmal am Tag? Richtig. Das wichtigste zuerst. Es geht also los, das Ohrabquatschen.


Du liebst Deine Spängchen. Zwar bleiben die nicht immer wirklich lange im Haar, aber immerhin bist Du ihnen zärtlich zugewandt. Es gibt kleine Klippsspängchen, Haargummis mit wahlweise Erdbeeren oder kleinen Törtchen dran und natürlich die richtigen Haarspangen, die Deinen kleinen Haarpinsel hübsch in Form halten. Denn meine liebe Kleine, wir müssen der Tatsache ins Gesicht sehen: Du hast eine klassische Vokuhila-Frisur!


Und wer Spängchen trägt und von sommerlichen Temperaturen umgeben ist, der kann endlich auch Kleider tragen. Kleider machen ja erst richtig Sinn, wenn man a) wirklich laufen kann und nicht die meiste Zeit durch Krabbeln das Kleid auf Bauchnabelhöhe schiebt und b) auf Strumpfhosen verzichten kann. Aber jetzt: jetzt ist richtig schön luftig und Du siehst zuckersüß aus. Immer.


Naja, manchmal trägst Du auch Helm statt Kleid. Aber auch das steht Dir gut. Die Schublade auszukramen ist immer noch eins Deiner größten Hobbies, das wird sich wohl nie ändern. Welt, mach Dich darauf gefasst: Du wirst gekramt werden.

Mein Mäuschen, auch wenn Du seit 6 Wochen nicht mehr durchschläfst, sondern mich mindestens einmal eher leider zweimal pro Nacht aus dem Bett brüllst: ich erfinde gerne Ausreden für Dich. Zu warm. Ein Schub. Das Sprechen fängt an und muss verarbeitet werden. Zu aufregend der Tag. Zu warm. Alles ist erlaubt. Hör trotzdem bitte auf damit. Dann fühlen wir uns alle besser. Versprochen.


Wir haben Onkel Klitzi in Berlin besucht. Es hatte sich nämlich die Gelegenheit ergeben, dass LaMama und Vati Basmati mit dem Auto dorthin fuhren und uns mitnahmen. Auf eine Bahnfahrt im Sommer mit Kleidkind verzichte ich nämlich sehr gerne, vielen Dank. LaMama und Du hattet viel Spaß auf der Rückbank fast ohne Quatsch und Unfug und ich konnte in Ruhe ganz viel lesen. Das machen wir wieder, ok? Papa haben wir zuhause gelassen, weil der arbeiten musste und lange Autofahrten hasst, aber beim nächsten Mal kommt er mit. Und wenn ich ihn zwingen muss. Denn nochmal höre ich mir nicht das halbstündliche Papa? Papa? Papa? an.


Du läufst gerne, das ist gut. Und immer öfter lassen wir den Kinderwagen zuhause, wenn wir nochmal flott in den Laden wollten, Eis essen gehen oder zum Spielplatz wollen. Dann bist Du zwar auf dem Rückweg müde, aber der Rest klappt schon ganz gut. An faulen Tagen nimmst Du aber auch gerne Dein Pukylino mit, denn der Hinweg ist ja bergab. Zurück finden wir immer einen, der das Ding trägt. Meist heißt er Papa.


Aber das beste: es ist Sommer. Wir sind fast jeden Tag im Wasser, was für uns Stadtkinder bedeutet, dass wir im Elisengarten in den Wasserbecken spielen. Da wird gegossen und geschaufelt und geplatscht und gegossen und gekramt und wieder gegossen, ohne Ende. Und wenn Du Glück hast, dann habe ich Deine Gießkanne und die Förmchen vergessen und wir müssen erst ein Eis im Becher essen. Damit Du dann mit dem leeren Becher spielen kannst. Wir haben ein schweres Leben. Hier kommen dann übrigens auch endlich Deine Havaianas-Zehensandalen zum Einsatz, die Onkel Klitzi Dir aus Brasilien mitgebracht hat. In Größe 20, Zucker!


Der Sommer mit Dir ist toll.

In Liebe,
Mama

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