1. August 2013

Das Leben ist bunt

Schon im Lostopf? Nein, dann aber schnell! Und jetzt zur Geschichte...

Jetzt ist das ja so, dass ich schon länger eine Erkältung mit mir rumschleppe. Was ja an sich schon völlig überflüssig ist, im Sommer aber noch viel mehr. Meistens äußert sie sich in infernalischem Husten, manchmal aber auch durch verstopfte Nebenhöhlen oder allgemeines Unwohlsein deluxe. Beim Husten dann gerne verstärkt nachts, zur Freude des geeks. Oder wenn ich mich in der Horizontalen befinde. Also nachts. Aber das erwähnte ich ja bereits.

Nach zwei Monaten beschloss ich also letzten Donnerstag, dass ich nicht mehr weiterleben können würde, wenn ich nicht umgehend zum Arzt ginge und mit Kälbermastmittel weichgekocht würde. Gesagt getan.

Der Zeitplan war etwas eng gesteckt, denn das Verlassen des Büros konnte nicht vor 11:30 Uhr stattfinden, die Ankunft bei Dr. Andy and friends musste vor 12 Uhr erfolgen. Fußläufig eine Herausforderung, mit dem Bus aber machbar.

Um 11:25 Uhr öffnete der Himmel seine Schleusen. Die 500 Meter zur Bushaltestelle erschienen mir machbar, auch wenn ich bei Regen in meinen Riemchentretern zum Rutschen tendiere. Also innerhalb des Schuhs. Doch mit ein wenig sportlicher Eleganz ausbalancierbar. Ich stempelte, atmete achtzehnmal tief ein und es regnete immer noch lief los.

Es gibt übrigens genau eine Möglichkeit, kurz mal überdacht zu sein auf meiner Kurzstrecke Richtung Bushaltestelle. Diese Möglichkeit erfordert aber einen 100 m Umweg und wurde somit umgehend außer Acht gelassen. Lieber schnell zur Bushaltestelle. Ach schau mal einer an, aufgrund der Bauarbeiten gibt es das Bushäuschen gar nicht. Machte aber ja nichts, der Sturzbach rann mir ja eh schon den Rücken hinab. Ein Baum versprach Schutz, denn Bäume sind unsere Freunde. Bäume ja, das Blätterdach nicht. Es hing triefend schlapp vor sich hin und sammelte scheinbar einfach Regentropfen, um diese konzentrierter abgießen zu können. Es fühlte sich an wie die Regenwalddusche in den Carolus Thermen. Nur nicht so schön.

Der Bus kam fast pünktlich und eine triefende Anzahl Menschen hastete hinein. Hingesetzt habe ich mich dann einfach mal nicht.

Um 7 vor 12 betrat ich die Praxis. Und befürchtete, ausgelacht zu werden. Denn: Guten Tag, ich bin wegen einer Erkältung hier, die ich einfach nicht loswerde. Meine Hobbies sind Schutzlos durch den Regen laufen, Eismeerschwimmen und Barfuß durch den Schnee laufen. Doch höflich hielt man sich mit Kommentaren zurück.

Kommen wir zum Kern der Geschichte. Der Kollege von Dr. Andy benutzt einen Vierfarbenkugelschreiber. So einen mit vier verschiedenfarbigen Minen drin. Noch bin ich nicht ganz sicher, welche Farbe für welche Information ist, aber sie werden alle gebraucht. Es beginnt mit der roten linealgezogenen Linie als Abtrennung zum vorigen Besuchsvermerk.

Seit Donnerstag weiß ich: Globalinformationen werden mit blau vermerkt. Als ich nämlich bemerkte, dass Wulfhild ungefähr die gleiche Zeit, die ich nun schon unter infernalischem Husten leide, sehr schlecht schläft und mich mehrfach in der Nacht zum Stelldichein bittet, hielt er kurz inne, zückte die blaue Mine und wollte dies sofort vermerken. Doch wo? Er zielt auf den oberen Rand der Akte und vermerkt: 1 Tochter. Stirnrunzeln. Wie alt ist die denn? 18 Monate. Ah ja. Stirnrunzeln und heimliches an den Fingern abzählen. Sie ist vom 7. Januar. Er notiert. 7.1.2012. Er unterstreicht. Er hält wieder inne und grinst.

Das ist ein gutes Datum. Da hat er auch Geburtstag.

Dann gab es ein Antibiotikum und wäre ich schlau gewesen, hätte ich genau geschaut, ob er für das verordnete Medikament eine bestimmte Farbe nimmt. Ich war nicht schlau. Gut, dass ich heute nochmal hin muss.

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