27. August 2013

Kinderuni: Wulfhild und ich und das große Experiment

Jetzt bin ich ja schon eine ganze Weile nicht mehr Betriebsrätin mit Herz und stelle fest: es fehlt mir. Also nicht die Lustreisen nach Thailand, oder was auch immer ich da jetzt verpasse, aber sonst so. Und so dachte ich ja schon neulich, dass ich mich ja mal einfach so wieder mit Arbeitnehmerschutz beschäftigen könnte. Für Bock sozusagen.

Heute: MuSchG. Wat'n dat? Mutterschutzgesetz, sagt das Bundesministerium der Justiz.
Der gesetzliche Mutterschutz hat die Aufgabe, die (werdende) Mutter und ihr Kind vor Gefährdungen, Überforderung und Gesundheitsschädigung am Arbeitsplatz, vor finanziellen Einbußen sowie vor dem Verlust des Arbeitsplatzes während der Schwangerschaft und einige Zeit nach der Geburt zu schützen. (so wiederum das BMFSFJ)
Besagtes Gesetz schützt also die Mutter und ihr Kind vor allerlei Zeug und das seit 1952. Aber tut dat Not? Ja, dat tut Not. Wir fokussieren uns mal auf die Mutter, die es hier zu schützen gilt, Wulfhild muss hinten anstehen. Aus Gründen.

Besagte Mutter darf nun - vereinfacht gesagt - 6 Wochen vor und 8 Wochen nach der Entbindung nicht arbeiten. Ausnahmen etc. kann mal jeder schön selber nachlesen, ich bin schließlich keine Fortbildungsanstalt. Besagte 8 Wochen nach der Geburt gibt es also nur rumkuscheln mit dem Kind, formerly known as der Versuch, den plötzlichen Schlafentzug durch einen Überschuss an Hormonen wettzumachen.

Und ganz im Sinne von Isabel Bogdan hab ich dann einfach mal gesagt: Jo, mach ich mal. Das probier ich aus.

Da ich aber gerade kein gebärfertiges Kind zur Hand hatte, bat ich Wulfhild mir auszuhelfen. Und sie willigte freudig ein.

Seit 8 Wochen simuliert sie nun den Schlafentzug, den eine Mutter direkt nach der Geburt erfährt. Klar, liebe Leser, Ihr Kind hat von Anfang an durchgeschlafen, nie geschrien und auch nie Blähungen gehabt, aber das lassen wir mal außen vor. Wulfhild gibt alles. Mal im 2-Stunden-Takt, mal völlig ohne Rhythmus, da ist von allem was dabei. Dann überraschend auch mal gar nicht aufwachen, so dass ich einfach nur so wachliege und mich wundere. Ich bin sehr stolz auf sie, wie sie das umsetzt in ihren jungen Jahren.

Mit meinem Teil des Experiments tue ich mich da deutlich schwieriger. Ich tu nämlich so, als gäbe es das MuSchG noch nicht und gehe arbeiten. Jeden Tag. Also freitags nicht, da ist Schwimmkurs. Aber sonst. Und egal, wie die Nacht war, um 6 Uhr rolle ich mich aus dem Bett, der Bettvorleger gibt mir Schwung und so weiter. Anstrengend, ich sage es ihnen. Und Kaffee, meine Damen und Herren, unterschätzen Sie den Kaffee nicht.

Mein Testmutterschutz ist nun um und ich kann sagen: sehr sinnvoll, allerdings lobe ich mir in dem Zusammenhang eine kleine, feine Sommerpause als Testzeit, in der sowieso nicht allzu viel passiert. An manchen Tagen bin ich überaus produktiv, an anderen nicht so sehr, aber das gleicht sich aus. Eine direkte Verbindung der Produktivitätsspitzen zur Nachtruhe gibt es aber allem Anschein nach nicht, auch höchst unausgeschlafen bringe ich manchmal mehr zustande, als nach einer wulfhildschen 12 Stunden Nacht. Hier wieder Kaffee, Kaffee, Kaffee. Und so merke ich doch, dass das nicht nur aufs Gemüt schlägt, wenn man regelmäßig nicht schläft, sondern einem auch körperlich alles raussaugt, was da ist. Fününü, sag ich da. Mit very jammerndem Ton. Ich glaube, der Ausdruck aschfahler Teint kommt aus solch einer Situation und hat eigentlich gar nichts mit Feuer und Wärme und Behaglichkeit zu tun.

Jedoch: die Hormone, die machen Sinn. Denn ich bin wesentlich unwilliger, das Kind vorbehaltlos zu lieben, nachdem es mich die ganze Nacht lang angeschrien hat. Das war in den 8 Wochen nach der Geburt anders. Aber dann steht sie morgens strahlend im Bett oder zieht eine Schnute beim Recken und Strecken und dann hab ich doch gleich wieder verloren. Terroristen sind das. Der nächste Beitrag also unter dem Motto: Schlafentzug, eine Foltermethode.

Kommentare:

  1. Liebe Cati Basmati,

    Deine posts finde ich immer ungeheuer erheiternd, ich habe gerade wieder herzlich gelacht...

    Ich kenn das, ich war bis zu Kind Nr. 2 eine wahnsinnig gestresste und unausgeschlafene arbeitende Mutter, die sich immer gefragt hat, wieso eigentlich andere Kinder immer so schön durchschlafen und meine nicht, und wieso es eigentlich immer heisst, dass nur arbeitende Mütter glückliche Mütter sind. Beim dritten habe ich beschlossen, nunmehr meine sämtliche verbleibende Elternzeit zusammenzukratzen und erst wieder arbeiten zu gehen, wenn die Kinder etwas größer sind. Könnte aber auch nach hinten losgehen, denn wenn sie neu im Kindergarten sind, sind sie meistens auch pausenlos krank (wir haben dieses Frühjahr die absonderlichsten Krankheiten im Haus gehabt) und schlafen auch wieder nicht...
    Ich schätze, es kommen auch bessere Zeiten! Halt durch!

    Liebe GRüße
    Sibylle

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  2. Auweia! Mein herzlichstes Beileid!! Ich kenne das leider auch aus eigener Anschauung, und was wirklich so gemein ist: Jeden blöden Wecker kann man aus dem Fenster schmeißen, wenn einem das Weck-Piepen auf die Nerven geht.
    Aber das eigene Kind? Nö, nicht gut. Anschreien und sauer sein ist auch keine Lösung. Schmollen? Wird nicht bemerkt. Gummibärchenentzug? Jo, könnte klappen, wenn sie älter sind, aber dann schlafen sie ja eh meistens wieder...

    Gutes Durchhalten!!

    Liebe Grüße,
    Stefanie

    P.S.: Weißt Du, was ich sehr bald unbedingt tun muss? SCHUHE kaufen beim Versandhandel mit den weiß-orangenen Paketen :-) Ich werde berichten....

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