16. August 2013

Kulturelle Begegnungen

Ich  bin ja sozusagen ein Potpourri der kreativen Ausreden, wenn es darum geht, Wulfhilds nächtliche Brüllerei und ihre zugrundeliegende Boshaftigkeit schönzureden. Bisherige Ergebnisse

1. Zähne.
2. Zu warm.
3. Zu kalt.
4. Zu aufregender Tag.
5. Zu langweiliger Tag.
6. Sprachschub.
7. Wachstumsschub.
8. Durst (in Verbindung mit 2 sehr beliebt).
9. Gar nicht müde nach dem Nachmittagsschlaf.
10. Zu müde nach keinem Nachmittagsschlaf.
Und eben auch 11. Der spanische Austauschstudent in der Wohnung unter uns.

Letzte Nacht habe ich aber erkannt, dass ich dem Kind Unrecht tue. Es hat nämlich auch Vorteile, wenn man um 3.15 Uhr wachgebrüllt wird sowieso aufstehen muss.

Letzte Nacht konnte ich nämlich endlich mal beim Mieter unter uns klingeln und ihm sagen, dass 3.15 Uhr nicht die richtige Zeit ist, um ein fröhliches Sit-in mit seinen spanischen Mitaustauschstudenten zu veranstalten. Bei offenem Fenster. Im äußerst hellhörigen Haus. Im spanischen Flüsterton. In der Woche.

Eigentlich bin ich da nicht so. Jeder darf feiern. Aber ich geh zur Zeit ein wenig auf dem Zahnfleisch und musste um 3.15 Uhr auch mal jemandem die Stimmung vermiesen.

Andererseits ist so ein Austauschsemester ja auch eine Gelegenheit zur kulturellen Begegnung und so haben wir halt die Gelegenheit genutzt und festgestellt, dass mein Konzept von Zimmerlautstärke gar nicht zum spanischen Konzept von Zimmerlautstärke in der vorlesungsfreien Zeit mitten in der Woche passt. Kulturelle Unterschiede gehören ja auch dazu. Und man kann ihnen nicht vorwerfen, dass sie nicht verständnisvoll gewesen wäre.

Zunächst verzogen sie sich von Küche und Wohnzimmer (unterhalb von Wulfhild) in sein Zimmer (direkt unter uns).

Dann beschlossen sie, dass es ja nun echt schon spät sei und man an dieser Stelle auch abbrechen könnte. Naja, manche hatten das beschlossen, andere musste noch hitzig argumentierend überzeugt werden. Man suchte seine Schuhe zusammen. Da die Schuhe nicht so schön ordenlich nebeneinander aufgestellt schienen, warf man einen Schuh, hatte man seinen Besitzer identifiziert, in Richtung des Besitzers und warnte diesen mit einem fröhlichen coge! FANG!, dass da nun ein Schuh geflogen kommt. Zu unserem Glück konnten die meisten ganz gut fangen und ließen die Schuhe nicht immer auf das Laminat krachen. Und besonders hervorzuheben ist auch, dass man sich lautstark höflich beim Werfenden für das Zurverfügungstellen der Schuhe bedankte. Sind gar nicht so schlimm, die jungen Leute von heute.

Nachdem alle Schuhe verteilt waren, wurde die Marschreihenfolge diskutiert. Es gab einige Unstimmigkeiten, so dass die Festlegung etwas länger dauerte, als derjenige gedacht hatte, der schon mal die Türe geöffnet hatte. Also diese wieder zugedrückt. Dann wieder auf und wieder zu, aber das kenn ich von Wulfhild, die findet Türen auf und zumachen auch großartig. Und wieder auf und alle raus. Und nicht auf Socken, sondern auf Schuhen holterdipolter die Treppen runter.

Das ganze dauerte eine deutliche halbe Stunde. Und da der Spanier ja bekanntlich eher zur Gemütlichkeit neigt, war das keine deutsche halbe Stunde von 30 Minuten, sondern 30 Minuten plus.

Ich war versucht, heute morgen sehr laut Musik zu hören. So gegen 6 Uhr, als ich aufstehen musste. Direkt über seinem Bett.

Kommentare:

  1. Spanische Mamas sind lauter. Die müssen schliesslich die ganze Familie niederbrüllen. Kommen Sie mich doch einfach mal besuchen.

    Verständnisvolle Grüße
    Sabine

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  2. Ojeojeojeoje....
    Ich kann mir gut vorstellen, dass eine spanische halbe Stunde mitten in der Nacht noch ein bisschen länger dauert als sowieso schon.
    Und wie spanisch mag es da erst am Wochenende geworden sein?!?

    Mitleidsvolle Grüße von
    Ute,
    (die ihren ununterbrochenen Nachtschlaf sehr liebt)

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