8. September 2013

20. Brief an Alma

Liebe Alma,

diesen Monat bin ich ein bisschen spät dran, aber nachdem Du die Laufnasensaison eröffnet hast, darf jeder dran teilnehmen und ich hab mich für das dicke Paket mit Nase, Hals, Gliederschmerzen und mit ohne Kreislauf entschieden.

Zunächst mal muss ich lobend erwähnen, dass die Sache mit dem Schlaf besser wird. Du hast schon wieder mehrfach durchgeschlafen und schaffst es ansonsten, wenn Du doch ein oder zweimal wach wirst, alleine wieder einzuschlafen. Ich sehe einen Hoffnungsschimmer am Horizont.

Und wenn ich nicht mehr über Deine nächtlichen Brüllattacken schimpfen kann, dann könnte ich ja mal Deine Essgewohnheiten lobend hervorheben. Du magst Obst. Und Gemüse. Sehr gerne sogar. Am liebsten Weintrauben, die kannst Du quasi einatmen. Aber auch die Banane hat ihren Weg zurück in Dein Herz gefunden, von Blaubeeren, Himbeeren, Brombeeren, Erdbeeren und Co. mal ganz zu schweigen. So konnten wir auch erfolgreich abends ein Müsli einführen, woraufhin Du doch wieder unglaubliche Mengen verschlingen kannst. Das Butterbrot wurde zuletzt ja doch eher verschmäht. Und wenn es mal Gemüse sein soll, dann gibt es einfach einen Dip dazu und schon wird alles gegessen, was sich dippen lässt. Scharfe Radieschen stehen hoch im Kurs und Chili-Gürkchen ja sowieso. Doch auch alle anderen rohen Gemüsesticks werden vernascht wie nur was, in gekochter Form aber am liebsten Möhren. Kiloweise. Behalte Dir das bitte bei, das ist wertvoll.


Du bist eine Spaziergängerin. Im Kinderbüro liegt das sicher daran, dass Du es als menschenunwürdig empfindest, mit einem der anderen Kinder im Team im Fahrradanhänger geschoben zu werden, so dass Du lieber zu Fuß gehst. Doch auch mit uns machst Du jede Wanderung mit. Klar, nicht immer gehst Du die ganze Strecke zu Fuß, aber zur Not kann man ja auf Papa umsteigen und sich in der Sänfte durch die Welt tragen lassen. Da ist die Aussicht auch direkt viel weiter und man kann alles und jeden mit einem freundlichen Hallo! grüßen. Das erschrickt den ein oder anderen Entgegenkommenden, weil man Dich ja nicht direkt sehen kann, aber dann lachen alle und man kann ein Schwätzchen halten. Du bist halt ein kommunikativer Mensch.


Du kannst immer mehr Wörter und plapperst nach wie ein Papagei. Dein Papa will immer gleich alles, was Du mal gesagt hast, in unser Heft schreiben, aber ich bleibe standhaft und schreibe nur die Wörter auf, die Du auch von Dir aus richtig benutzt. Doch auch da finde ich es unglaublich, wie schnell Dein Wortschatz wächst und wie differenziert Du vieles inzwischen aussprechen kannst. Warum Du aber immer noch kein Wort für Trinken hast, ist mir schleierhaft. Willst Du etwas essen, dann sagst Du einfach essen und haust Dir seit neuestem auch die gespreizte Hand vor den Mund. Sehr eindrucksvoll und enorm zielführend, vielleicht spornt das ja Deinen Erfindungsgeist fürs Trinken an.


Das tollste im letzten Monat war aber, dass wir Dir Deinen eigenen Fahrradhelm gekauft haben. Er ist nicht pink und glitzert nicht, wo kämen wir denn da hin? Stattdessen fährt ein Zug drumherum mit lauter Zootieren, die eine Reise machen. Du bist so stolz, dass Du nun genau wie Papa jeden Morgen einen Helm anziehen kannst, dass Du ihn am liebsten den ganzen Tag beim Spielen aufhast. Das sieht dann manchmal etwas sonderbar aus, wenn Du mit Helm auf dem Kopf im Sessel sitzt und ein Buch liest, aber was soll's. Hauptsache, Du setzt ihn gerne auf und fährst gerne mit uns Rad. Unsere erste Fahrradtour haben wir auch schon hinter uns und was soll ich sagen? Das nächste Wort, das Du lernst, wird wohl SCHNELLER!! sein.


Und in einer Woche geht es in den Urlaub. Wir fahren ein paar Tage nach Renesse, wie sich das für Kaiserstadtbewohner gehört. Und weil man dem Nordseewetter im September ja nicht unbedingt trauen kann, fahren wir in einen Center Parc, damit das Schwimmbad immer für uns offen steht. Denn Du bist und bleibst eine Wasserratte. Und Deinen Koffer hast Du ja auch schon gepackt.


Auch wenn der Schlafentzug ein Wrack aus mir gemacht hat: Du bist mein größter Schatz und ich bin so stolz auf das Mädchen, das Du geworden bist.

In Liebe,
Mama

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