20. Dezember 2013

Und jetzt alle so Ooooooh armer Mann!

Kurz vor Weihnachten werden Eltern manchmal hektisch. Oder sagen wir: manche Eltern, denn ich habe dieses Jahr ganz klug und frühzeitig die Fotokalender für die Omas, Opas, Onkel, Tanten, andere Onkel und den geek in Angriff genommen. Und da der letzte Arbeitseinsatz aus dem Bereich Nähen, der auf dem Teppich stattgefunden hat, deutlich erwies, dass  lieber nicht mehr auf dem Teppich gearbeitet werden sollte, habe ich dieses Jahr klug und frühzeitig die kompletten Kalender im Drogeriemarktonlineportal bestellt. Wand- und Tischkalender, man gönnt sich ja sonst nichts.

Letzte Woche wurden geliefert und am Küchentisch verpackt: Wand- und Tischkalender. So weit, so gut.

Letzten Samstag gab es dann eine freundliche E-Mail, die darüber informierte, dass man doch Opa Wolfgang ruhig noch eine Handyschale mit Grinsekind drauf schenken könnte, die würde nämlich noch rechtzeitig geliefert bis Weihnachten. Na, wo die sich schon so aufdrängten, wollte ich kompromissbereit sein. Und bestellte.

Vorgestern gab es wieder eine E-Mail, die dieses Mal darüber informierte, dass meine Bestellung in der gewünschten Filiale abholbereit herumläge. Deutlich rechtzeitig vor Weihnachten, ich war beeindruckt.

Im Drogeriemarkt ist es immer warm, wärmer, am wärmsten, aber da ich einen Bad-Hair-Day hatte, blieb die Mütze auf, ich wollte ja bloß schnell die Lieferung abholen. Was überraschenderweise daran scheiterte, dass ich die Lieferung nicht fand. Es ist etwas mühselig, kurz vor Weihnachten die online bestellten Warensendungen durchzusehen, denn sie befinden sich völlig unsortiert auf einem großen Regal. Ich hab alle durchgesehen, mehrfach, und mich dann an eine der anwesenden Fachverkäuferinnen gewandt. Ob es vielleicht noch ein Regal gäbe, ich würde meine abholbereite Bestellung nicht finden. Nein, gäbe es nicht. Ich sah alle noch einmal durch. Und fand eine an mich adressierte Warensendung.

Ein DIN-A4-Karton ist nicht die Verpackung, in der ich eine Handyhülle vermute. Und "Paket 2 von 2" ist nicht die Aufschrift, die ich auf der Verpackung eines Einzelteils vermute. Aber gut, ein Blick hinein verrät auch, dass es sich nicht um die Handyhülle handelt, sondern um Tischkalender. Meine Tischkalender, immerhin, aber die habe ich ja schon. Sogar verpackt. Ich frage jetzt doch mal einen Fotomann. Die Geschichte erscheint ihm völlig unlogisch, da ich ja nun eine Warensendung in der Hand halte. Und warum ich die denn nicht haben will. 10 Minuten später fällt der Groschen. Auch das Handyhüllenmysterium leuchtet ihm dann ein und der geht mal nachschauen im Computer. Ich schwitze.

Der Computer verrät, dass tatsächlich diese Kalender für mich sind, und es werden noch welche folgen. Dass ich die nicht haben will, versteht er, und verspricht, sie zurückzuschicken. Ich richte ihm mein Vorweihnachtsbeileid aus und er bricht in jammerndes Weinen aus. Es wäre schlimm. Schlimm, schlimmer, schlimmer als schlimm. Aber trotzdem hilft er mir, meine Handyhülle zu suchen. Und wird ganz wo anders fündig, immerhin. Ich frohlocke und bedanke mich, wische mir den Schweiß von der Stirn und fische schnell noch Zahnpasta aus dem untersten Regal. Auf dem Weg zur Kasse inspiziere ich die Handyhülle, sowas habe ich schließlich noch nie bestellt.

Gefällt mir gut, wäre nur schön, wenn mein Kind darauf zu sehen wäre.

Wieder jammerndes Weinen seitens des Fotomanns. Immerhin entkommt er durch mich für weitere 10 Minuten der Menschenmasse, welche die Direktdruckterminals belagert. Er hängt sich in die Warteschleife beim Druckservice und wartet und wartet. Ich schlage vor, dass man eine Grabbelkiste für Falschlieferungen einrichten könnte und wer das passende Kind als Bestellquittung mitbringt, der darf etwas davon kaufen. Findet er gut, wir werden das mal vorschlagen. Nach 10 Minuten breche ich die Beschwerdewarterei ab und entscheide, dass Opa Wolfgang gut auch weiterhin ohne Handyhülle mit Konterfei des Grinsekindes leben können wird. Ein wenig wehmütig blickt der Fotomann hinter mir her, bevor er sich mit einem Seufzer wieder der brodelnden Menschenmasse zuwendet.

Ooooooh armer Mann!

Also der Fotomann, nicht Opa Wolfang.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen