27. Februar 2014

Karneval kommt immer so plötzlich

Ich bin ja nicht so karnevalistisch veranlagt, aber dieses Jahr habe ich den Fettdonnerstag mal insoweit ignoriert, als dass ich zwar zwei Berliner gegessen habe, dies aber im Büro tat und ohne Kostüm. Wenn man mal von meiner Verkleidung als schwangerer Wal absieht.

Und was soll ich sagen: lustig war es. Ich war nämlich heute nachmittag ganz alleine in den vier Stockwerken des großen Bürogebäudes am Fuße des Elfenbeinturms.

Während der Rest der Belegschaft im Bistro zu saisonalen Rhythmen Fünfe gerade sein ließ, feilte ich an Texten und wählte erste Fotos für den Webauftritt aus. Und aß Berliner, ich erwähnte es ja bereits. Alle halbe Stunde ereignete sich dabei folgendes:

Ich höre den Hall der Treppenhaustür/des Aufzugs. Ein Mensch geht über den Flur. Er wird langsamer, verwirrt ob der fehlenden Flurbeleuchtung. Verwirrt ob der nummerierten Bürotüren, den Namen der Zielperson suchend. Er bleibt stehen, hoffentlich vor der richtigen Tür. Zaghaft klopft er. Überraschenderweise öffnet ihm aber niemand, denn der Rest der Belegschaft lässt ja gerade im Bistro zu saisonalen Rhythmen Fünfe gerade sein. Er flucht laut. Sehr laut. Suchend blickt er sich um. Er sieht Licht aus einem Büro in den halbdunklen Flur scheinen. Es erscheint ihm wie das Licht am Ende des Tunnels. Zaghaft setzt er sich wieder in Bewegung, immer noch Flüche ausstoßend. Zögernd klopft er an meine Tür.

Ich rufe ihn fröhlich herein, schließlich weiß ich inzwischen, wie es weitergeht.

Heute ist der letzte Tag, an dem er seine Reisekostenabrechnung/seinen Vertrag/seinen Antrag/sein Formular/sein ist mir doch auch völlig egal abgeben kann. Und es wäre ja niemand da. Richtig, es ist ja auch Fettdonnerstag. Da arbeitet niemand. Seit Erfindung des Karnevals, was nicht 2013 war. Ich nehme freundlich alles an mich, beschrifte ordentlich alle Klarsichthüllen und wundere mich, dass nur deutsche Studenten so naiv sind zu denken, dass hier jemand anzutreffen wäre.

Kommentare:

  1. Liebe Frau Basmati,

    ich würde Sie sehr herzlich gern auf ein kleines Interview bitten, wenn Sie Lust und Zeit hätten...

    http://diekunstdenalltagzufeiern.blogspot.de/2014/02/ausgezeichnet.html

    Untertänigste Grüße,
    Papagena

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    1. ... das bedeutet dann wohl "nein", oder?
      Schade!

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  2. Ich wohne zwar in Niedersachsen, würde aber niiieeee auf die Idee kommen, in Aachen / Köln / sonstwo im Rheinland jemanden dienstlich erreichen zu wollen! Tss - tsss - tsssss...

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