9. Februar 2014

Was nix kostet, is auch nix

An so einem durchschnittlichen Wintersonntag hat man flott den ganzen Tag vergammelt, ohne auch nur einmal draußen gewesen zu sein oder vielleicht auch den Pyjama überhaupt verlassen zu haben. Gefährlich, gefährlich. Die Gefahr nimmt aber rapide ab, sobald man Kinder hat. Dann fühlt man einen inneren Zwang, dem Kind wenigstens einmal am Tag das Fenster zu öffnen Frischluft zu gönnen. Doch was tun?

Vieles kostet ja Geld und als bald kinderreiche Familie mit Immobilienwunsch und Autonot muss man ja ein bisschen sparen. Man schaut also nach kostenfreien Alternativen.

Heute haben wir mal den kinderärztlichen Notdienst ausprobiert. Lohnt sich nicht.

Wir haben nämlich erstmal eine Menge Quatsch gemacht und haben das Kind abwechselnd auf dem Rücken getragen und geschunkelt. Schunkeln hat zur Zeit in der Kaiserstadt ja Saison, da kommt man nicht drumrum. Irgendwann wurde aus Schunkeln Hüpfen und das Lachen und Kichern und Quietschen deutlich lauter, bis es dann schlagartig in lautes Weinen und Kreischen überging und der linke Arm nutzlos am Körper baumelte.

Die geübte Mutti greift dann ja zu ganz miesen Tricks und bietet die Lieblingskekse an. Und schon konnte Prof. Dr. Röntgen Basmati attestieren: hier stimmt etwas nicht, denn sie nahm nur einen einzigen Keks und das mit ohne den nutzlosen Arm zu benutzen. Verdächtig.

Nun gut, man will sich ja nichts vorwerfen lassen und was es zu essen geben sollte war auch noch nicht entschieden, also riefen wir beim kinderärztlichen Notdienst an und ließen uns den diensthabenden Kinderarzt nennen. Und siehe da: Dr. Mertens in Haaren hat nicht nur eine super Rutsche im Wartezimmer, sondern auch eine Pizzeria direkt nebenan. Für jeden was dabei, würde ich mal sagen.

In den Genuss der Rutsche kamen wir aber leider gar nicht, denn wir wurden direkt in ein Behandlungszimmer gerufen. Die anderen 5 Elternpaare, die alle vor uns dagewesen waren, guckten leicht säuerlich, aber vielleicht lag das auch an den Fieberkurven ihrer Kinder. Wer weiß das schon.

Und dann kam das wirklich tolle am kinderärztlichen Notdienst: er wirkt sofort. Kaum hatten wir das Behandlungszimmer betreten, erspähte das einarmige Kind die große Kiste mit den Duplosteinen. Und schwupp: der Arm war wieder funktionsfähig. Denn man braucht beide Hände, um ordentlich mit Duplo zu spielen. Und die Bänder von Kleinkindern sind halt elastisch, da rutscht gerne alles wieder dahin, wo es hingehört.

Die Kinderärztin war ein wenig konsterniert, dass es nun gar keinen Ellbogen mehr zum Einrenken gab, denn es macht anscheinend große Freude, wenn man bei besorgten Eltern mit nur einem beherzten Griff die Legenden der Götter in Weiß auffrischen kann. Andererseits wird man nicht Kinderärztin, wenn man nicht auch mal gönnen kann. Und funktionierende Arme sind etwas, was man ja erstmal vorbehaltlos jedem Kind gönnt. Also ließ sie alles so, wie es war.

Kostenlose 20 Minuten inklusive Spontanheilung. Hat sich gelohnt, schon alleine wegen der Geschichte, mit der wir auf dem nachmittäglichen Kindergeburtstag gut unterhalten konnten.

Kommentare:

  1. Tolle Geschichte :-)
    Habt ihr wenigstens noch eine Pizza genossen?
    Liebe Grüße, Michaela

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    1. Ne, Pizza gab es schon am Freitag und am Samstag, da schien es uns besser, ganz auf die Hülle und Fülle der Kindergeburtstagskalorien zu setzen. Und das Kind war zufrieden mit flotten Möhrenpuffern. Alle satt, alles gut :)

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  2. Tja, ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass ein Arzt mit Ellenbogen einrenken zwar vielleicht die Eltern beeindrucken kann, beim Kind aber nicht allzu positiv in Erinnerung bleibt, es tut nämlich kurzfristig ziemlich weh. Und wenn Duplosteine die kindliche Panik vor weiteren Arztbesuchen ersparen konnten, ist das doch eine gute Sache, denn um mein Trauma zu kurieren, mussten wir damals den Kinderarzt wechseln...

    LG, Julia

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    1. Ojee! Nene, sie nimmt sämtliche Arztbesuche sehr gelassen. Außerdem kann sie ja seit dem Krankenwagen und den 48 Stunden im Klinikum nichts mehr schocken ;)
      Trotzdem setzen wir natürlich weiter auf Spontanheilungen und kindliche Selbstheilungskräfte!

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  3. Herrlich, dein Schreibstil...zum Glück ist ja auch alles gutgegangen...
    Liebe Grüße schickt Bettina

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  4. Schön, dass sich es doch spontan selbst heilen liess :-)

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