25. März 2014

Adlerauge sei wachsam

Alle Kinderärzte der Kaiserstadt haben da so einen Plan. Sie schicken die Kinder mit der U7, also so kurz vor dem zweiten Geburtstag, zum Augenarzt. Der freut sich über die Gelegenheit, etwas abrechnen zu können und untersucht im Gegenzug mal die Augen der kleinen Schlitzohren. Um frühzeitig Sehschwächen zu erkennen und Müttern eine weitere Gelegenheit zum Ausflippen zu geben.

Alle Kinderärzte? Naja, scheinbar nur unserer, aber ich will da mal nicht so sein.

Denn wenn sich eine spannende Unterhaltungsmöglichkeit bietet, bin ich doch dabei. Und eine Augenuntersuchung mit einer Zweijährigen kann doch nur unterhaltsam werden.

Es beginnt mit der Frage am Telefon, ob wir denn nun Buchstaben und Zahlen üben müssen, denn auf dem Feld sind wir noch nicht so gut. Wir sind ja lieber Kind als frühgefördert. Nein, müssen wir nicht, man habe da Bildchen. Nun gut, ich bin vertrauensseelig.

Und lache, kurz nachdem wir aus dem Wartezimmer gerufen wurden, laut auf, denn das Kindelein soll sein Kinn auf die Kinnstütze legen und in den dunklen Kasten gucken. Da wäre dann ein Kätzchen. Alsoerstens sind Kätzchen jetzt nichts, was aufregend genug wäre, um sich einem bedrohlichen Apparat zu nähern. Außerdem hat der Apparat Schrauben, Schließen, Stängchen und Steckverschlüsse. Er bewegt sich hoch und runter, leuchtet aus zwei Löchern und muss erstmal wissenschaftlich untersucht werden. Sicherheit geht schließlich vor, wer weiß ob das alles TÜV-geprüft ist.

Nach Abbruch dieses Experiments kommen die Bildchen ins Spiel. Kreis, Viereck, Haus und Dötschherz müssen zwar erstmal korrekt als Nikolaushaus, Fußball, Fenster von Bobo Siebenschläfer und Dötschherz identifiziert werden, aber dann ist Wulfhild nicht zu stoppen. Da kann de Sprechstundenhife noch so weit weg stehen mit ihrer Karte, auf unserer wird zielsicher mit DEM ZEIGEFINGER richtig erkannt. Bis ein Auge zugehalten werden soll, Wulfhild MÖCHTE DAS NITHT. SPIELEN! Würde ich jetzt auch lieber, schließlich liegen im Wartezimmer nicht nur Spielsachen, sondern auch Frauenzeitschriften. Wir verweigern uns also ein bisschen und dürfen zurück zu den wichtigen Dingen des Lebens. Anstatt zu lesen mache ich mir aber Gedanken darüber, dass ich trotz Brille manchmal nicht auf Anhieb die richtige Form erkannt habe. Aber was soll es, bisschen Schwund ist immer.

Als nächstes dürfen wir dann zum KINNEAUGENAZT rein. Die fährt dann die richtigen Geschütze auf und hantiert mit Taschenlampen. Da gucken wir dann auch einäugig hinterher. Und dann hat sie noch eine abgefahrene grüne Taschenlampe, da erlauben wir sogar die Brille mit dem Verzerrungsglas vor dem Auge. Gut, die erinnert uns an Karneval, das fanden wir da schon lustig, aber wir müssen ja nicht all unsere Geheimnisse preisgeben.

Fazit: Das Kind sieht alles besonders die findigen Verstecke von Keksen und Gummibäärchen und in einem halben Jahr sollen wir nochmal wiederkommen, um vielleicht doch diese Messung mit Kinn auf Stütze durchzuführen. Ich bin gespannt.

1 Kommentar:

  1. Herzlichen Dank für den Einblick. Rate wohin die Untermieterin & ich morgen einen "Ausflug" machen! RICHTIG, zum Augenarzt. ;) Sie hat schon erklärt, dass sie da nicht hin will. Ich bin gespannt. Vor allem auf die Geschütze der Kollegin, die wohl für die Mini-Patienten zuständig ist.

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