17. März 2014

Projekt Kinderzimmer aka Farbe an die Wand

In diesem Post kommt ziemlich oft Ikea vor. Das liegt daran, dass wir ziemlich viele Möbel und ziemlich viel Inspiration von Ikea mitnehmen. Völlig unbeabsichtigt, ohne Bestechung und ohne Aufforderung, aber ich dachte, ich warne vor...

Es gibt Momente im Leben, da heißt es Jetzt oder nie. Und wenn man schwanger ist, dann heißen diese Momente sogar ziemlich oft Och weißte, dann lieber nie. Vor allem, wenn es sich um Renoviermomente handelt. Im Nachhinein betrachtet kann es also nur ein Anflug verfrühter Stilldemenz gewesen sein, der mich die Sinnhaftigkeit dieses Spruches vergessen und stattdessen Ja, jetzt, denn sonst halt nie denken ließ.

Wir haben das Kinderzimmer renoviert. In der ungefähr 27. Schwangerschaftswoche, in der man sich körperlich sehr fit, wenig beeinträchtigt und emotional gefestigt fühlt. Nicht.

Als Wulfhild einzog, gönnten wir ihr im Arbeitszimmer ein Eckchen für die Hängewickelkommode, ein Plätzchen für das Gitterbett und ein bis zwei Fächer im Expeditregal. Inzwischen dürfen wir uns wohl glücklich schätzen, dass sie unseren Büroschrank noch nicht aus dem Zimmer herausgeschmissen hat.

Nun gut, es war also höchste Eisenbahn, aus dem ehemaligen Büro ein wirkliches Kinderzimmer zu machen. Farbe sollte an die Wände, aber nicht zu viel. Und keine Mädchenfarbe bitte, schließlich muss Herr Gandalf da auch mal wohnen. Wir entschieden uns für das Hochglanztürkis des Expeditregals von Ikea und das Orange der NIEUW-Anhänger im niederländischen Ikea. Das harmoniert so schön und knallt ordentlich. Sehr änliche Latexfarbe steuerte der Baumarkt gerne zu und LaOma und Vati Basmati nahmen Wulfhild für ein paar Tage bei sich auf. Denn wohin mit Kinderzimmerinhalt und Kind in einer 3-Zimmer-Wohnung, wenn ein Zimmer plötzlich ganz wegfällt? Richtig. Kind in die Kinderlandverschickung, alles andere wurde verteilt. Schlaf wird auch überbewertet.


Nachdem ein Abend draufging mit Zimmer leerräumen und Abkleben - ein herrliches Hobby für wenn Bücken das Beste am Leben ist - konnten wir endlich Kaffeepause im Chaos machen. Immer lohnenswert. Man beachte aber, dass sich das Ikea-Türkis plötzlich in viele Bereich unseres Lebens drängte, denn wir besitzen nun auch das Färgrik-Geschirr in Türkis. Wir sind leicht zu beeinflussen.


Nachdem die ersten Milliliter weißer Farbe an der Wand gelandet waren, machte ich mir langsam Gedanken, ob Wulfhild wohl heimlich nachts den Mofaclub zu WLAN-Parties und Rauchgelagen einlädt. Oder war unser ehemals in zartem Beige gehaltenes Arbeitszimmer doch heimlich zu Teerlungennikotingelb mutiert? Manches will man gar nicht genauer wissen.


Während die erste weiße Schicht vor sich hintrocknete, testeten wir hinter dem Büroschrank die bunte Farbe und schluckten doch ein wenig ob der Intensität. Aber gut, bunt hatte es ja werden sollen. Und es ging auch gut, das Petrol über das Orange zu malen, was unserer Idee von einem fünfstreifigen Farbstreifen (orange-petrol-orange-petrol-orange) entgegen kam, denn so könnte man ja erst einen ganz dicken orangen Streifen malen und dann zwei petrolfarbene Streifen zur Auflockerung drauf. Spart einiges an Abklebearbeit. Wir waren jung und naiv.


Wir klebten. Meine Damen und Herren, sie sehen hier die Dicke des kompletten Streifens von Ober- zu Unterkante sowie eine Abklebearbeit, deren Zweck ich im Zeichen der verfrühten Stilldemenz vergessen habe.


Latexfarbe lässt sich so schön streichen, ich bin ein großer Fan. Inzwischen war allerdings der zweite Tag des Streichens herangebrochen, denn zwischen zwei Strichen muss ja auch mal getrocknet werden. Das bremst ziemlich aus, resultiert aber in einer gestrichenen Zimmerdecke und einer professionell gereinigten Gardinenleiste. Tür- und Fensterrahmen nicht zu vergessen. Yippie Yah Yeah. Das ganze Zimmer wirkte gleich viel heller.


Und nach dem zweiten Strich Orange machten wir uns ans Abkleben der beiden petrolfarbenen Streifen. Und begegneten unserer Nemesis. Denn wenn man sich schön akribisch Abstände einhaltend und unter Einsatz sämtlicher Fingernägel zur bestmöglichen Anbringung des Abklebebandes von einer Zimmerecke zur nächsten vorgearbeitet hat, um dann plötzlich hinter sich ein verdächtiges Geräusch zu hören, dann dreht man sich vielleicht um und sieht ungläubig zu, wie das Gewebeband langsam und genussvoll von der Latexfarbe abrutscht. Da hält nichts. Gar nichts. Wir weinten. Also ich. Sehr. Wir ließen uns nicht unterkriegen. Ich klebte synchron oben und unten an einem zukünftigen Streifen während der geek in 30 cm Abstand folgte und das Klebeband mit einer Schicht weißer Farbe an die Wand anklebte. Das ging in sofern gut, als dass es unsere einzige Möglichkeit war. Ein Hoch auf die Ausweglosigkeit.


Nach stoisch ertragenem Streichen des Petrols sah das Ganze dann ziemlich ätzend aus. Farbnasen über Farbnasen, sowohl vom Petrol ins Orange als auch umgekehrt, mal mehr mal weniger dick. Ich weinte. Sehr. Ich organisierte eine Verlängerung der Kinderlandverschickung. Denn dass das hier länger dauern würde, erschien unumgänglich. Hatte ich das Weinen erwähnt?


Zur Aufheiterung, denn ich möchte ja nicht, dass Ihr alle verheult ins Bett geht, nun eine kleine Anekdote am Rande: überraschenderweise passten meine Renovierklamotten nicht. Aber ich kann ja aufpassen und einfach nicht kleckern, richtig? Ungefähr so richtig wie: wir haben das Lätzchen für Wulfhild vergessen, aber sie kleckert sicher nicht. Und so habe ich nun eine Schwangerschaftsrenovierhose. Kann auch nicht jede von sich behaupten.


Am nächsten Tag pinselte ich 6 Stunden - in Worten: sechs Stunden - mit einem Haarpinsel der Stärke superfein Farbnasen weg. Insgesamt 4 Kanten mal 12 Meter oder so gleich Hölle, Hölle, Hölle. Ich weinte. Sehr. Und dann freute ich mich. Das hatte ich haben wollen.


Inzwischen sind Möbel und Kind wieder eingezogen, das Grundtal-Wandregal wurde an die Wand getackert und der aufgeräumte Zustand beseitigt. Gerade letzteres ging ratzfatz.


Ich bin sehr zufrieden. Weiße Wände kann ja jeder und es ist weder ein reines Mädchenzimmer, noch ein Jungenzimmer. Es ist einfach schön bunt. Unten seht Ihr neben der Wickelkommode übrigens unseren Esstisch für mehr als zweieinhalb Personen, der für Gelage größeren Ausmaßes und Spieleabende ins Wohnzimmer getragen und aufgeklappt wird. Da ist dann kein Platz mehr zum Spielen, aber meistens schläft Wulfhild dann sowieso. Klapptisch? I like. Ja, der ist auch vom Schweden.


Zwischen Tür und Fenster steht noch das alte dunkelbraune Expeditregal, welches aber zeitnah - besser jetzt als nie, remember - mit dem hochglanztürkisen Farbinspirationsexpedit ersetzt wird. Wir müssen es nur noch kaufen und aufbauen. Möchte übrigens jemand unser altes dunkelbraunes kaufen? Es sucht dann nämlich einen neuen Wirkungskreis, da unsere Wohnung keinen Platz dafür hergibt. Wir sind schon ziemlich gut im Kubikmeterdenken und Platzausnutzen, aber es gibt Grenzen. Vorallem jetzt, wo der Herr Gandalf demnächst ein Bett irgendwo stehen haben möchte. Das kommt übrigens anstelle der Kinderküche ins Kinderzimmer. Die Kinderküche wandert dann wieder ins Wohnzimmer. Damit sie sich nicht alleine fühlt, wird sie Tisch und Stühle mitnehmen. Ade, Platz im Wohnzimmer, es war schön, Dich gekannt zu haben.


Im Bereich Deko war ich auch schon aktiv und habe mit Hilfe der Abschneiderin und der Latexfarbmischkarte passenden orangen Sternenstoff für die Vorhänge gekauft. BOOM! Speaking of Farbe an die Wand.


Das Nähen zog sich zwar über viele Abende hin - Schuld war der Bauch, der kann nicht mehr so lange vor der Nähmaschine sitzen, der alte DIY-Terrorist - aber nun hängen sie. Und ich finde es schön.


So anstrengend es auch war - ich werde nie wieder renovieren, besonders nicht wenn ich schwanger bin, denn das geht so dermaßen auf den Bauch, unglaublich - es hat sich mehr als gelohnt. Wulfhild hat über beide Ohren gestrahlt, als sie es gesehen hat und Herr Gandalf wird das selbstredend auch tun.

Jetzt dürft Ihr ins Bett gehen und von Farbe träumen. Vielen Dank fürs Lesen bis zum Schluss. Und in freier Anlehnung an Heidi: Leser, ich hatte heute 15 Fotos für Dich.

Kommentare:

  1. Wirklich schön geworden! Und Komplimente, dass Du nur ein bißchen geweint hast :-)

    Und jetzt: Eine großartige MutterSCHUTZ-Zeit ohne Renovierung oder Ähnliches...

    Liebe Grüße,
    Stefanie

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  2. Sieht sehr toll aus! Und 15 Fotos, ich fühle mich geehrt :D

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  3. Paprikagemüse19 März, 2014 07:55

    ihr wisst, dass es expedit nur noch diesen Monat gibt?es gibt wohl auch einen Nachfolger,der aber leicht andere aussenMaße hat.die innenMaße bleiben aber gleich.

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  4. Ich habe mitgeweint! Also, ich kann dich sooooo gut verstehen. Obwohl ich seinerzeit unschwanger renoviert habe, aber trotzdem.
    Aber es sieht wirklich super aus!!!
    Grüße von
    Ute

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