9. Mai 2014

1. Brief an Thorin

Lieber Thorin,

heute bist Du schon einen ganzen Monat bei uns und bist doch jeden Tag neu!

Ich kann es gar nicht glauben, dass ich nun einen Sohn habe. Einen Sohn, der mich jeden Tag aufs neue erstaunt, denn eigentlich kenne ich das doch, das mit dem Baby, aber uneigentlich bist Du ganz Du selbst und ganz anders und neu.


Du hast mich ziemlich überrascht, als Du am 9.4.2014 urplötzlich auf die Welt kommen wolltest, denn Du solltest doch erst zwei Wochen später eintreffen. Aber als ich von der Pediküre kam und dachte, dass ich nun alles erledigt hätte, was ich vor der Geburt noch machen wollte, da hast Du das wohl als dringliche Einladung verstanden. Keine 8 Stunden später warst Du da. Im Nachhinein bin ich Dir sehr dankbar, denn so hast Du mir eine Menge Sorgen abgenommen. Beim zweiten Kind ist man gelassener, das stimmt schon, aber dann doch wieder nicht, weil man ja weiß, was da auf einen zukommt. Die Überraschung war also nicht nur gelungen, sondern auch hilfreich, weil ich mir nicht noch mehr Gedanken darüber machen konnte, wie es werden wird wenn. Es wurde dann einfach.


Deinen Namen verdankst Du Deiner nicht ganz so schüchternen Art, mit der Du auf die Welt gepresst bist. Da konnten wir doch gar nicht anders, als Dich nach dem Donnergott zu nennen. Und auch der Zwergenkönig, dessen Namen Du nun trägst, wollte ja oft mit dem Kopf durch die Wand und ließ sich durch nichts beirren. Aber seit dem Moment, als die weltbeste Hebamme Dich auf meinen Bauch legte, bist Du das liebste und ruhigste Kind, das ich je erlebt habe. Das habe ich, glaube ich, auch über Deine große Schwester gesagt, aber Du bist nochmal ein Stückchen entspannter. Ich hoffe, dass es so bleibt und dass uns abendliche Brüllerei auch weiterhin erspart bleibt.

Wir hätten Dich übrigens auch Neptun nennen können, denn nach der Badewannengeburt war der erste Aufenthalt im Badeeimer natürlich ein ganz entspannter. Der heutige allerdings nicht, weil ich die Unverfrorenheit hatte, Dich irgendwann aus dem wohlig warmen Nass zu heben. Asche auf mein Haupt, was bin ich für eine Rabenmutter.


Du kannst pupsen wie ein Großer. Manchmal habe ich Angst, dass Du nachts mit Deinem Schlafsack abhebst, aber das ist bisher zum Glück nicht passiert. Auch scheinst Du nicht allzu viel Blähungsschmerz zu haben und ich hoffe, dass ich diejenige bin, die am meisten leidet.

Ein großer Trickser bist Du auch. Du täuscht nämlich nach dem Stillen gerne an, auf der Schulter eingeschlafen zu sein. In Wahrheit bist Du aber hellwach und wartest auf den richtigen Moment, um langsam und unauffällig am Schlüsselbein hinabzurutschen und wie ein Schluck Wasser in der Kurve an meiner Brust zu landen. Dort schläfst Du dann wirklich und wahrhaftig an, denn dort ist es am allerbesten. Du bist halt ein Genießertyp.


Als Spitzname hättest Du übrigens Ziegenbock verdient, wenn man nach diesem niedlichen Meckergeräusch geht, dass Du im Schlaf von Dir gibst. Meistens nennen wir Dich aber Männlein oder Männchen und ich finde es lustig, dass auch Deine Schwester langsam anfängt, Dich so zu nennen.


Du wächst viel schneller, als mir lieb ist. Geliefert wurdest Du mit 3600 g verteilt auf 52 cm, aber inzwischen bringst Du bereits 4500 g auf 55 cm unter. Ich musste auch schon erste Anziehsachen aussortieren, weil sich der Ausschnitt bei dem ein oder anderen Body verdächtig nah Richtung Bauchnabel zog, wenn Du Deine Spezialfertigkeit - Windel füllen - eingesetzt hattest. Denn das kannst Du wie kein anderer: die Windel vollmachen. Vor dem Stillen, während des Stillens, nach dem Stillen. Ich war das ja nicht gewohnt, dass Jungs immer können, und wusste gar nicht, wann ich da eingreifen soll. Inzwischen hat sich das ein bisschen eingependelt, so dass wir wenigstens nachts nicht mehr mehrere Windeln pro Wickelgang verbrauchen, aber tagsüber wiegst Du mich gerne in Sicherheit und wartest mit dem letzten Schuss auf eine gut verschlossene, frische Windel. Aber das macht nichts, raus ist raus und kann dann auch nicht mehr Unbehagen bereiten.


Übrigens zeichnet sich jetzt, wo Deine Verdauung schon so gut erkannt hat, wann nachts ist, ein großer Unterschied zu Deiner Schwester ab. Bisher hat es nämlich noch keinen Abend gegeben, an dem Du wie am Spieß gebrüllt hättest, nur weil irgendwas ist, was Du leider nicht mitteilen konntest, wie Pupsen oder Windel vollmachen oder sonstwas. Du liegst einfach gechillt auf der Couch und nuckelst, schläfst oder guckst Löcher in die Luft. Ganz entspannt. Die wenigen Male, an denen hier wirklich kurz Radau war, waren solche kurz vor dem Stillen, wenn Hunger Dich schier umbringt und noch dazu ein Pups querhing oder eine Windelfüllung einen Anschub durch Saugen brauchte. Dafür stehe ich doch gerne zur Verfügung.


Was ich allerdings bedaure, ist die Tatsache, dass Du als zweites Kind nicht 100 % meiner Zeit haben kannst. Immer wirst Du teilen müssen und ich habe schon die ein oder andere Träne deswegen verdrückt. Aber ich kann Dir versprechen: ich liebe Dich zu 100 %. Immer. Mein Männlein, Du bereicherst unser Leben und hast ein vierblättriges Kleeblatt aus uns gemacht. Ich bin so dankbar, dass es Dich gibt.

In Liebe,

Mama

1 Kommentar:

  1. Oh wie wunderschön *tränchenverdrück* Ja, leider müssen die zweiten Kinder immer teilen, das macht mich auch immer wieder traurig und die Zeit vergeht irgendwie noch schnell als mit dem ersten Kind. Und trotzdem ist es unglaublich schön mit ihnen beiden.
    Lasst es euch gut gehen,
    alles Liebe
    Sternie

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