9. Juni 2014

2. Brief an Thorin

Lieber Thorin,

Du bist ein kleiner Bruder geworden.

Im letzten Monat ist aus dem kleinen, teilnahmslosen Baby, das alles brav über sich ergehen lässt, ein kleines grinsendes Männlein geworden, das brav alles über sich ergehen lässt. Du strahlst plötzlich über beide Ohren, wenn man Dir über die Wangen streichelt und Dich bespaßt. Du gluckst und lachst und quiekst, dass ich gar nicht weiß, wohin mit mir.

Meine Lieblingsbeschäftigung mit Dir ist weiterhin Kuscheln, auch wenn diese Momente etwas rarer geworden sind, denn Du kuschelst auf einmal nicht mehr so gerne. Du bist ein bisschen unleidlich auf dem Arm, willst hierhin und dorthin und wieder zurück und überhaupt, wer weiß das schon genau. Ich schiebe das auf die beiden Entwicklungsschübe, die Du in diesem Monat durchgemacht hast. Da ist ja jeder etwas neben sich. Trotzdem wäre ich gar nicht undankbar, wenn wir wieder Dauerkuscheln würden.


Beim Baden bin ich mir noch nicht so sicher, ob Du das genau so gerne hast, wie Deine große Schwester. Es schwankt zwischen Ich häng hier mal so ab, Ich genieße das bis ins Letzte und Holt mich hier raus aber sofort. Einölen und eincremen und streicheln und schmusen sind aber jederzeit willkommen. Ich habe das morgendliche Waschen zu unserem Moment erkoren, denn dann ist Deine Schwester aus dem Haus, der Papa ist im Büro und ich kann mich ganz um Dich kümmern. Das kommt selten genug vor, also genießen wir das sehr ausgiebig.


Am Dienstag, als Du fast acht Wochen alt warst, hast Du zum ersten Mal im Kinderzimmer übernachtet und was soll ich sagen? Es läuft gut. Du meldest Dich einmal in der Nacht und willst trinken und davor wird nur gelitten, wenn der Schnuller vor Erreichen der Tiefschlafphase verloren geht. Das darfst Du aber, da bin ich gnädig und eile alsbald zu Hilfe. Das Einschlafen nach dem nächtlichen Mahl - und dem dankenswert schnellen Wickeln - klappt sehr gut und ich bilde mir, dass das Schlafen an sich besser klappt als bei uns im Schlafzimmer im Beistellbett. Vielleicht hielten wir uns ja doch gegenseitig unruhig, so dass keiner so richtig gut geschlafen hat. Wer weiß.


Was aber erstaunlich an Dir ist, ist das Gefuchtele. Ich habe, glaube ich, noch kein Baby erlebt, das ständig so wild mit Armen und Beinen herum fuchtelt. Auch das war sicher ein Grund, warum Du manchmal schlecht einschlafen konntest. Wenn jeder Fliegenschwarm einen großen Bogen um Dich macht aus Angst, im Flug zermalmt zu werden, dann ist es ja kein Wunder, wenn Du Dich beim seeligen Einschlummern immer wieder selbst wach gezuckt hast. Das gibt sich hoffentlich bald, denn es ist zur Zeit doch viel zu warum, um Dich jeden Abend zu pucken. Auf die Idee, dass Pucken beim Einschlafen helfen konnte, kam ich übrigens erst letzten Dienstag. Stilldemenz, oder so.


Bei der Pediküre waren wir neulich auch wieder zusammen, nur dass Du diesmal nicht im Bauch, sondern auf dem Bauch warst und nicht zwei Stunden nach der Pediküre die Wehen einsetzten. Langweilig, im Nachhinein betrachtet. Am besten fandest Du dabei aber anscheinend das Massagefußbad. Ob sich da wohl das wohlige Brummen über meine Füße, Beine und den Bauch auf Dich übertragen hat? Das in Kombination mit Deiner Lieblingsschlafposition - Bauch an Bauch im Liegen mit Schnuller in der Armbeuge - schien unschlagbar. Vielleicht brauchen wir zuhause auch ein Massagefußbaddings? Für den Fall der Fälle?


Getragen werden findest Du super. Nur manchmal ist plötzlich Not am Mann, dann fängst Du an zu schreien und hörst erst auf, wenn ich Dich rausgenommen habe und Du ordentlich rülpsen konntest. Dann wieder ab in den - neuerdings - ErgoCarrier und weiter gehts. Apropos zuviel Luft: das Pupsen ist deutlich besser geworden, seit ich Dir vor der Hälfte der Mahlzeiten ein Liquid gegen Blähungen gebe. Und da damit auch die Vitamin-D-Tablette viel besser im Mund kleben bleibt, bis sie sich aufgelöst hat, klappt diese Einnahme auch und ich finde nicht mehr jeden Tag die Tablette nach dem Rülpsen im Spucktuch oder irgendwann später an der Brust klebend. Sehr gut.


Und jetzt, wo gerade eine Hitzewelle das Land im Griff hat, zeigt sich mal wieder eine Deiner besten Eigenschaften: Du kannst ganz entspannt sein. Du liegst halbnackig rum und hast Dich klar dazu entschieden, das Wetter zu verschlafen. Kein Jammern, kein Schimpfen. So lob ich mir das. Männlein, wir sind ein gutes Team.

In Liebe,

Mama

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