9. August 2014

4. Brief an Thorin

Lieber Thorin,

mein Grinsemännchen, Sumobaby, Dickerchen, Männlein! Wer hätte gedacht, dass Du es schaffen würdest, mit dreieinhalb Monaten mehr zu wiegen, als Deine große Schwester mit sieben Monaten? Nun ja, ich gebe mir ja auch alle Mühe und stille, was die Brust hergibt. Sehr zu Deinem Leidwesen bestehe ich allerdings darauf, dass Du ein paar Verdauungsstündchen zwischen den Mahlzeiten einlegst. Rabenmutter, ich weiß.

Dieser Monat ist sowohl wahnsinning schnell vergangen als auch so langsam, dass ich das Gefühl hatte, mal wirklich Zeit mir Dir zu erleben. Und das, obwohl wir dank der Betreuungsferien für Alma eigentlich doch weniger Zeit für uns hatten als vorher.

Anfang des Monats hattest Du gerade einen Entwicklungsschub mitgemacht und warst auf einmal dabei wie kein anderer. Du wurdest unglaublich präsent und Dein strahlend blauer Blick drückt seither wahnsinnig viel Lebensfreude aus. Du konntest plötzlich in Bauchlage den Kopf heben, ohne dass ich das irgendwie mal mit Dir üben würde. (Das macht mir ein bisschen ein schlechtes Gewissen, aber wir schaffens auch so, denke ich.) Du wolltest an allem teilhaben und verfolgst alles, was wir tun, mit Blicken. Nichts entgeht Dir, besonders nicht Menschen, die Dich anlächeln. Du nimmst sofort Kontakt auf und strahlst zurück. Du bist unglaublich.

Ganz neu ist das nun wirklich gezielte Greifen. Du hast nicht nur entdeckt, dass diese Hände da sind, sondern auch, dass man die tatsächlich gebrauchen kann. Immer präziser greifst Du nach Dingen, die ich Dir hinhalte. Wenn Du unter Deinem Spieltrapez liegst, dann geht ganz schön die Post ab und Du vibrierst vor Energie, fabelhaft. Ich könnte Dir den ganzen Tag dabei zusehen. Bekommst Du allerdings ein Tuch oder eine Decke zu fassen, dann versteckst Du Dich. Schließlich kann man nicht immer den Kasper spielen, man barucht auch mal Zeit für sich. Das verstehe ich.


Und gewachsen bist Du. Plötzlich passt Dir ungefähr nichts mehr und meine anfängliche Freude über das Wiedersehen mit den Babysachen wich schnell der Panik, dass Du ab übermorgen nichts mehr zum Anziehen hast. Und da Du abends erst gegen neun oder halb zehn im Bett bist, schaffe ich es leider nicht, Dir etwas neues zum Anziehen zu nähen. Mit schön viel Weite um die Speckbeinchen und die gertenschlanke Elefantentaille. Aber ich arbeite dran, keine Sorge. Du wirst nicht die Mächensachen Deiner großen Schwester auftragen müssen. Am Anfang des Monats gelang es mir ja noch, Deine kurze Schlafpause zwischen halb acht und neun nochmal auszunutzen, aber seit kurzem gibt es die nicht mehr. Leider. Dank des Kindergartenstarts von Alma sind wir allerdings nun morgens so früh, dass Deine Abendmahlzeit zur Tagesschau serviert wird und Du dann recht schnell danach ins Bett gehst. Vielleicht wird es ja bald mal wieder was mit der Abendgestaltung für Mama.

Das ins Bett gehen war übrigens in den letzten zwei Wochen eine wahre Qual. Du hast so getan, als wärest Du müde, und sobald ich Dich ins Bett gelegt hatte, fingst Du an zu strampeln als ob es kein Morgen gäbe. Dazu wurde so laut geknöttert, dass ich immer wie von der Tarantel gestochen ins Kinderzimmer stürzte. Du solltest ja Deine Schwester bitte nicht aufwecken. Also daneben setzen, Händchen halten und beruhigend summen. Früher war es Dir nämlich nur möglich, Dich zu beruhigen, wenn irgendein Körperkontakt bestand. Also mindestens Hand auf den Bauch legen. Irgendwann stellte ich fest, dass Dein Papa das ins Bett bringen viel schneller und leiser hinbekam und nun übe ich mich in Zurückhaltung. Anscheinend bist Du jemand, der besser alleine parat kommt, das kennen wir ja schon. Nun versuche ich, meine mütterliche Sorge hinten anzustellen und Dich machen zu lassen. Du findest in den Schlaf, auch alleine.


Ist der Schlaf dann erstmal gefunden, läuft es normalerweise sehr gut. Einmal aufwachen so gegen vier Uhr war Anfang des Monats die Devise. Außer, Du wachst in der unruhigen Zeit zwischen eins und zwei auf und wirst Dir bewusst, dass der Schnuller nicht da ist, wo er hingehört. Dann beschwerst Du Dich, Mama kommt angerannt, steckt den Schnuller wieder rein und zurück gehts ins Traumland. Soweit, so gut. Mir sind die Nächte ohne Schnullerpanik allerdings lieber. Denn nach dem Nachtmahl um vier Uhr schliefst Du dann einfach weiter bis gegen 8 Uhr oder manchmal sogar noch ein bisschen länger. Je nach Almas Geräuschpegel. Jetzt, wo Du zwischen acht und halb neun im Bett liegst, ist das Nachtmahl allerdings Richtung zwei Uhr verrutscht. Das macht aber nichts, da Du ja um sieben oder halb acht morgens wieder aufstehen musst, um rechtzeitig mit uns Richtung Kindergarten zu gehen. Das haut dann gut hin. Oder willst Du nicht mal durchschlafen?


An Durchschlafen ist momentan aber wohl nicht zu denken, denn anders als Deine Schwester bist Du ein Kind, dass diese Entwicklungsschübe ausgiebig auskostet. Die Literatur sagt, dass Babies im Schub anhänglich sein können? Bitte maximaler Abstand zu Mama < 5 cm. Die Literatur sagt, dass Babies im Schub mehr trinken? Bitte möglichst jede Stunde was zu trinken. Und nicht nur schlürfen, nein, aussaugen was da ist. Mehr geht immer. Die Literatur sagt, dass Babies im Schub mehr schlafen. Ja, auch das. Aber wehe Du wachst auf und es gibt nicht sofort etwas zu essen. Wehe!

Was den Wunsch nach Nähe angeht bin ich übrigens überaus froh über die Erfindung der Babytragen. Gestern zum Beispiel hätte es ohne den ErgoCarrier wohl nichts gekochtes zum Abendessen gegeben. Und nichts, wofür ich zwei Hände gebraucht hätte. Aber in der Trage ging es dann.


Denn siehe da: Du kannst doch brüllen. Bis zu Deinem ersten Impftermin hatte ich ja den Verdacht, dass die Natur vergessen hat, bei Dir einen Lautstärkeregler einzubauen. Aber nun weiß ich: den gibt es. Und Du kannst an ihm drehen, wenn Du willst.

Und als großes Highlight des Monats hat der Babyschwimmkurs angefangen. An und für sich magst Du es, im Wasser zu schweben und zu baden. Auch strampeln tust Du schon. Aber ich merke Dir auch an, dass Du noch sehr klein bist. Gut, andere Kinder sind zarter als Du, auch wenn sie älter sind, aber Du bist der Jüngste und ich finde, dass sollte ich berücksichtigen. Deswegen ignorieren wir die ein oder andere Übung und schweben einfach mit viel Körperkontakt durchs Wasser. Immer mit der Ruhe, das ist ja sowieso Deine Devise. Müde macht Dich das Baden übrigens nicht so sehr. Nach einem ausgiebig tiefen Schlaf bist Du bald danach wieder fit. Erstaunlich. Aber Du bist halt doch anders als Alma, auch wenn Ihr Euch so ähnlich seht.


Und das letzte Bild zeigt Dich in Deiner Lieblingsposition: grotesk verwinkelt abhängen und schlafen. Denn dass Dein Kopf sonstwo hängt, das stört Dich nie. Du lässt halt gerne Luft an Deinen Hals.


Mein Männlein, ich habe zwar genau wie damals mit Deiner Schwester zur Zeit einen gewaltigen Hänger, aber Dein Strahlen ist es allemal wert. Außer vielleicht, wenn Du mich weiter nach jeder Mahlzeit oder davor oder danach oder ganz ohne Zusammenhang mit einer Mahlzeit von oben bis unten vollspuckst. Dann räche ich mich und zieh Dir nur noch Almas rosa Sachen an.

In Liebe,
Mama

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