8. August 2014

Zwischenmenschliche Beziehungen im Wohnkontext

Man beobachtet aus Höflichkeit ja nicht ungeniert seine Nachbarn. Schon gar nicht diejenigen, die in der Wohnung genau gegenüber wohnen. Die mit den großen Fenstern.

Die hatten ja im November nach Wulfhild eine Tochter bekommen und waren somit ein Spiegel unseres Familienlebens. Bzw. des Wegs dahin. Erstmal wurde die Frau dicklicher. Dann wurde umgeräumt. Dann kamen immer mehr Pakete von Amazon mit, sie ahnen es, Babyartikeln. Eine Wickelkommode zog ein, das Mobile wurde aufgehangen, ein Gitterbett zusammengeschraubt. Und und und. Und kurz nach Herrn Gandalf zog noch eine Tochter ein, es war also wieder so, als würde man in einen Spiegel gucken. Frau wurde dicklicher, war aber wesentlich gelassener, weil alles keine Unbekannte mehr. Dann plötzlich Geburt, die große Schwester übernachtete bei den Großeltern.

Nun sind sie ausgezogen. Weil alles zu klein ist. Man kennt das hier sehr genau. Und jetzt ist es erst richtig interessant.

Es fing damit an, dass plötzlich drei männliche, nackte Oberkörper in den Mitzwanzigern Farbrollen schwangen und meterhohe Zimmerwände weißten. Wir wunderten uns ein ganzes Wochenende lang, wie diese drei eine WG in einer Dreizimmerwohnung planten, in der zwei Zimmer eigentlich eins sind, da es nur über zweidrittel der Mitte eine Wand gab. Aber gut, vielleicht eine WG mit modernem Lebenswandel. Wer weiß.

Dann parkte ein Möbelwagen vor der Tür, Dekoartikel fanden den Weg in die Wohnung und es schien klar: die männlichen, nackten Oberkörper waren so nett gewesen, die Wohnung der Freundinnen zu renovieren. Nach einer Weile revidierten wir unsere Schlussfolgerung, denn es sah eher nach geschwisterlicher Liebe aus. Nach einer Weile wunderten wir uns darüber, dass auch die Mutter so involviert war, denn es fanden auf einmal duftige Dekovorhänge den Weg an die Fenster. Und die mänlichen, nackten Oberkörper blieben teilweise über Nacht. Also nicht Teile der Nacht, sondern Teile der drei männlichen, nackten Oberkörpergruppe.

Wieso wohnen mindestens eine junge Studentin/Azubine/Angestellte/Schülerin, ein junger Student/Azubi/Angestellter und eine Mutterfigur in einer Dreizimmerwohnung, von denen zwei Zimmer eigentlich ein nicht vollständig getrenntes Zimmer ist?

Lösungsvorschläge bitte in den Kommentaren.

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