9. November 2014

7. Brief an Thorin

Lieber Thorin,

Du bist heute still und heimlich sieben Monate alt geworden und ich muss sagen: der letzte Monat war ganz schön anstrengend. Ja, wegen Dir, guck nicht so.

Am Tag vor Vati Basmatis Geburtstag hast Du Deinen ersten Zahn bekommen! Unten links. Das erklärte dann auch im Nachhinein Deine schlechte Laune und das Schimpfen und Heulen. Dreizehn Tage später hast Du Deinen zweiten Zahn bekommen! Unten rechts. Das erklärte dann auch im Nachhinein Deine schlechte Laune und das Schimpfen und Heulen. Kurz danach hast Du begriffen, dass man sich um die eigenen Achse drehen und somit viel mehr von der Welt erreichen kann. Das erklärte dann auch im Nachhinein Deine schlechte Laune und das Schimpfen und Heulen. Und dann kann man sich ja auch noch mit den Armen nach hinten schieben und noch viel mehr erreichen. Das erklärte dann auch im Nachhinein Deine schlechte Laune und das Schimpfen und Heulen. Und seit ein paar Tagen beobachte ich, wie Du manchmal die Knie unter den Bauch ziehen willst. Du näherst Dich dem Vierfüßlerstand und somit dem Krabbeln. Das kann ja heiter werden. Immerhin bist Du auf dem Arm oder Schoß von Mama glücklich. Immer.


Es gab also eigentlich einen Entwicklungsschub nach dem anderen bzw. ging hier eins ins andere über. Anstrengend, das sag ich Dir. Die Nächte wurden immer schlimmer, so dass Du auch schon mal stündlich wütend knöttern musstest, weil der Schnuller herausgefallen war. Zum Glück blieb es bei einer Nachtmahlzeit, stündliches Stillen hätte mir gar nicht gefallen. Abends einschlafen war einen Katastrophe, denn man muss nach so aufregenden Tagen ja erstmal runterkommen. Das ist schwer, ich weiß, aber ein bisschen hast Du Dich schon angestellt.


Kurz bevor ich verzweifelt aufgeben und jämmerlich im Jammertal versacken wollte, probierten wir etwas neues aus. Du gehst um 19 Uhr ins Bett, ca. eine Stunde als vorher. Wir legen Dich ziemlich wach hin und Du schläfst dann einfach ein. Manchmal musst Du noch ein bisschen erzählen, manchmal brauchst Du eine Hand auf dem Bauch zur Beruhigung, aber Du findest eigentlich ziemlich gut selber in den Schlaf. Ich bin überrascht. Sehr angenehm überrascht. Denn auch Deine große Schwester geht viel besser ins Bett. Wenn Du nämlich fast schon schläfst, gucken wir noch eine Folge Peppa Wutz, lesen eine Geschichte und dann schleichen wir ganz still ins Kinderzimmer und sagen Gute Nacht. Das war es. Viel einfacher, als ich mir das vorgestellt hatte.

Jetzt muss ich mir nur noch etwas für den Schnuller überlegen. Denn ich weiß nicht, ob ich es aushalte bis Du groß genug bist, den nachts wiederzufinden und Dir in den Mund zu stecken, wenn er mal verloren geht. Das geschieht zwar nicht mehr stündlich, aber alle zwei oder drei Stunden schon. Da muss dann entweder ich oder Papa aufstehen und Dir helfen. Das zehrt an unser aller Nerven.


Es gab den ersten Brei. Ich hatte zufällig in einem Buch gelesen, dass Kinder dann körperlich für Beikost bereit sind, wenn sie sich selbständig drehen können. Und das hattest Du ja schon mit viereinhalb Monaten gelernt. Also standen alle Zeichen auf Brei. Und da ich ja ab morgen wieder ins Büro gehe, musste eine sinnvolle Alternative zur Muttermilch her. Ganz klassisch wählte ich Möhre und wurde schon wieder angenehm von Dir überrascht. Es klappt viel besser als damals bei Deiner Schwester. Du warst nach zwei Wochen bei fast ganzen Portionen angelangt, isst sehr manierlich und bekommst inzwischen auch den Nachmittagsbrei. Und es schmeckt gut. Mit dem Abendbrei lassen wir uns vielleicht noch ein bisschen Zeit. Oder hilft der beim Durchschlafen? Dann vielleicht doch schon morgen.


Du bist immer noch sehr gelassen, was das Abhängen am neuen Haus angeht. Das hilft natürlich sehr beim Renovieren, was Papa aber bisher meistens ohne unsere Hilfe tut. An den Wochenenden verbringen wir dann aber auch ganze Tage dort und Du musst viel im Kinderwagen liegen und Löcher in die Luft starren. Das nimmst Du ganz stoisch ruhig, machst ein Nickerchen hier und da und guckst uns halt zu. Wir sind Dir unendlich dankbar dafür.


Du bist übrigens immer noch das dicke Kind. Denn so groß wie Du jetzt war Deine große Schwester mit 11 Monaten. Ich bin gespannt, wann Du sie überholst. Lange wird es nicht mehr dauern.

Und gestern waren wir beim ersten Sankt Martinszug. Du hattest keinen Bock gehabt, Dir eine Laterne zu basteln, also hast Du nur im Wagen gelegen, der Musik gelauscht, Deine Schwester angehimmelt und bist am Feuer eingeschlafen. Ganz entspannt, so lob ich mir das.


Möpperchen, ich bin sehr gespannt auf den nächsten Monat. Nicht nur auf die Umstellung, dass Papa Dich jetzt tagsüber betreut und ich Dich erst ab Nachmittags erlebe, sondern auch auf das, was bei Dir passiert. Ich tippe auf Vorwärtsrobben, Krabbeln und noch mehr Zähne. Und Schimpfen, Schimpfen, Schimpfen. Und dann, wenn man Dich auf den Arm nimmt: Strahlen.

Du bist meine Sonne.

In Liebe,
Mama


Kommentare:

  1. So schön geschrieben, ich hoffe dein Kleiner weiß deinen Humor später einzuordnen (wobei, muss er wohl ;-)) und ich wünsche dir einen guten Start im Büro...ist sicher erstmal komisch nach so vielen Monaten mit ständiger Babynähe.

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  2. Immer wieder schön! :-)
    Ich würde den Schnuller gleich mal von der Schnullerfee abholen lassen. Drei Tage und Nächte stark sein und schon schläft Gandalf durch! Glaube ich...

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