18. November 2014

Ein Drama in Pink

Jetzt stehe ich ja schon seit einer Woche wieder in Lohn und Brot und muss sagen: es läuft. Die erste Woche hatte ich ja vorsorglich so gestaltet, dass Wulfhild mit einer ansteckenden Krankheit zu Hause bleiben und Papa im Auge behalten konnte. Man kann ja nicht vorsichtig genug sein, wenn es um das Wohl der Kinder geht. Und heute bin ich schon den zweiten Tag ganztags im Büro und kann sagen: klappt. Das hatte ich das letzte Mal vor drei Jahren, aber es scheint wie Radfahren zu sein. Der Kaffeedurst bleibt.

So langsam wandert auch die über die Jahre optimierte Büroausstattung ins selbige zurück. Als kleine Herausforderung habe ich zwar vertretungsweise einen zusätzlichen Bereich mit einem zusätzliche Schreibtisch in einem zusätzlichen Büro und somit eine zusätzliche Abstellfläche für Kaffeetassen, Kinderfotos und Schnickeldi übernommen, doch darum kümmere ich mich mit und mit. Diese Woche erstmal das, was vor der Elternzeit schon da war.

Enter: die pinke Schüssel.

Die Lieblingsblondine schenkte mir als Wiedereinstiegsversüßung nach der ersten Elternzeit eine pinke Müslischale. Denn Mama muss es sich schließlich nett machen in der Erwachsenenwelt. Diese pinke Müslischale zog vor acht Monaten in die Casa Basmati ein und erfreute fortwährender Nutzung durch die Damen des Hauses. Nun möchte ich sie wieder im Büro nutzen. Für Müsli.

Letzte Woche sah so aus: abends räumte ich die gespülte Schüssel zusammen mit einigen anderen Dingen in meine Lunch-Tasche und stellte diese an die Wohnungstür, damit morgens alles parat steht. Zeit ist Geld und eine gute Organisation erleichtert das Leben.

Kaum entdeckte Wulfhild die pinke Schüssel, erkannte sie umgehend die Notwendigkeit, auch eine Tasche für die Arbeit zu packen. Mit meiner pinken Schüssel. Am ersten Tag ließ ich sie gewähren, denn ich ahnte ja nichts. Ich kann ziemlich naiv sein.

Als ich die pinke Schüssel dann wieder in meine Tasche räumen und das Haus verlassen wollte, wurde aus dem kleinen, süßen Mädchen ein großer, hässlicher Hulk. NICHT DIE PINKE SCHÜSSEL, DIE BRAUCH ICH FÜR DIE ARBEIT! Den Exkurs zu Kinderarbeit und dem daraufhin notwendigen Gespräch mit dem geek spare ich mir hier.

Ich ließ die Schüssel zuhause, der liebe Friede schien mir wichtiger.

Abends packte ich die pinke Schüssel wieder in meine Lunch-Tasche, stellte sie an die Wohnungstür und registrierte irritiert, dass Wulfhild sofort aus dem hinterletzten Winkel der Wohnung angeschossen kam, um ihre Arbeitstasche zu packen. Mit meiner pinken Schüssel. Am folgenden Morgen kam folgerichtig wieder der große, hässliche Hulk zu Besuch und forderte die Herausgabe der Schüssel. Verängstigt händigte ich diese aus.

Der Rest der Woche: ebenso. Selbst das Packen der Lunch-Tasche deutlich nach der Schlafenszeit des kleinen, süßen Mädchens löste das Dilemma nicht, denn kleine Kinder hören morgens jeden noch so leisesten Wecker der Welt und spurten umgehend Richtung Mama. Und da ist dann ja auch die pinke Schüssel.

Montagmorgen war ich dank Herrn Gandalf schon vor dem Wecker wach. Siegessicher schlich ich mich in die Küche. Öffnete ganz leise die Spülmaschine, um heimlich die pinke Schüssel verschwinden zu lassen. Und ich bin mir sicher: sie hat hinter der Wohnzimmertür gewartet, bis sie mich vorbeischleichen sah. Wie aus dem Nichts steht sie vor mir, grinst mich verschlafen an und verkündet: ACH MEINE PINKE SCHÜSSEL, DIE BRAUCHE ICH HEUTE FÜR DIE ARBEIT!

Heute nacht habe ich die Schüssel gespült, heimlich in ein Handtuch gewickelt und in meine Handtasche gepackt und heute morgen fluchtartig das Haus verlassen. Und beim Hinausgehen höre ich noch aus der Küche:

MAMA, HAST DU AUCH NICHT MEINE PINKE SCHÜSSEL?

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