6. Januar 2015

27. Brief an Alma

Liebe Alma,

Du hast heute Geburtstag. Du wirst 3. Unglaublich, oder? Ich habe gestern beim Umzugskartonspacken das erste Foto von Dir aus dem Kreißsaal gefunden und bin spontan in Tränen ausgebrochen. So klein und winzig! Und heute stehst Du konzentriert im Wohnzimmer und bewältigst Puzzle mit 150 Teilen ohne Hilfe! Was ist denn da passiert?

Das Kinderhaus ist für Dich inzwischen ein Lieblingsort geworden und ich bin ganz schön baff, wie groß Du dadurch geworden bist. Mal abgesehen davon, dass Du körperlich immer noch zu den kleinen Kindern gehörst, bist Du so selbständig geworden. Du brabbelst ohne Unterlass von den anderen Kindern und man kann schon heraushören, dass Du viel mit anderen spielst und auch gerne von Ihnen zum Spiel eingeladen wirst. Mit Deiner liebsten Freundin Livia scheinst Du nur im Doppelpack aufzutreten und ich befürchte, dass der durch unseren Umzug bedingte Wechsel des Kindergartens auch deswegen ein großer Einschnitt für Dich werden wird. Aber auch wenn Du immer lange zum Warmwerden brauchst bin ich mir sicher: wenn Du möchtest, dann gehst Du raus und findest neue Freunde!

Sogar das Schlafen im Kinderhaus hat ja am Ende geklappt: Anfang Oktober war es soweit. Ab da hast Du dort jeden Tag mindestens anderthalb Stunden Mittagsschlaf gemacht und wir konnten wieder entspannt in den Nachmittag starten. Auch unser Miteinander wurde dadurch entspannter, denn ausgeruhte Kinder sind für unausgeruhte Mütter einfach viel einfacher zu handhaben.

Du hast aber nun vor Weihnachten Abschied im Kinderhaus gefeiert und ich habe das Gefühl, dass man Dich dort vermissen wird. Hoffentlich gelingt es uns, Kontakt zu halten mit dem ein oder anderen Mädchen, das fände ich sehr schön für Dich. In zwei Wochen geht es im neuen Kindergarten weiter und ich drücke Dir so die Daumen, dass Du Dich dort schnell(er) eingewöhnst.

Es wäre allerdings schön, wenn Du Dir im neuen Kindergarten wieder abgewöhnen würdest, alles Essen erstmal "bäh" zu finden. Früher mochtest Du nämlich alles und nun: eher weniger viel. Das ist erstmal anstrengend, bis wir Dich überlistet haben und Du doch probiert hast. Dann isst Du wieder alles. Also lass doch den Umweg über "bäh" einfach sein.

Zum Ende des Jahres hast Du immer mehr Zeit mit den Omas und Opas verbracht, da wir immer mehr Zeit mit Renovieren im neuen Haus verbracht haben. Das war für mich wahrscheinlich viel anstrengender als für Dich, weil ich ein schlechtes Gewissen Euch Kindern gegenüber hatte, aber da wir in einer Woche umziehen, ist das ja auch bald vorbei. Dann finden die Wochenenden wieder bei uns statt und keiner wird tage- oder nachmittagelang abgeschoben. Man muss allerdings sagen, dass Deine manchmal etwas angstunterlegten Fragen, ob wir denn auch bei Oma und Opa bleiben, genau dann ausblieben, als Dein Bruder auch mit übernachtete. Und der hat sich das ja sowieso nur getraut, weil Du auch da warst. Du liebe große Schwester!

Dein zweiter St. Martinszug fiel leider aus, weil du die doofe Mund-Hand-Fuß-Krankheit hattest und hochansteckend dann natürlich nicht so geeignet für Massenveranstaltungen warst. So kam zwar noch bei Oma und Opa die Laterne aus dem Kinderbüro zum Einsatz, aber die neue aus dem Kinderhaus ist noch ungenutzt. Das holen wir dann im neuen Haus nach und machen Laternenumzug im Garten. Versprochen!

Mit dem Martinsfest fand übrigens eine ganz ungeahnte Gesangsleidenschaft einen lautstarken Anfang. Natürlich wird im Kinderhaus viel gesungen, aber dass Du das so leidenschaftlich (und melodiesicher) auch zuhause durchziehst, das hätte ich von einer Tochter Deines Vaters nicht erwartet! Gut, dass Weihnachten auch so viele Lieder bietet und Du dann auch noch einen CD-Player zu Weihnachten bekommen hast. Wir sind also melodiös unterwegs, wir zwei. Nur bitte manchmal etwas weniger laut. Sehr viel weniger laut.

Und seit drei Wochen ist Dein Bruder in Deinem Leben angekommen. Auf einmal nimmst Du körperlich Kontakt mit ihm auf, ihr rauft - so gut dass mit einem Baby geht - und macht nur Quatsch am Esstisch. Dabei könnt Ihr Euch ganz schön gegenseitig anstacheln, noch lauter zu werden und noch wilder und noch und noch und noch. Das macht mir ein wenig Angst vor der Zukunft. Ich glaube, Ihr werdet uns ganz schön auf Trapp halten.

Aber nicht alles ändert sich: Du isst am liebsten Müsli und Wurstbrote, Schokolade interessiert Dich nicht so, Du nuckelst am Daumen, bist fast 1 m groß, brauchst Dein Schnuffeltuch, trägst immer noch Windeln und abends guckst Du eine Folge Peppa Wutz, dann noch ein Buch und dann ab ins Bett. Da wird selten diskutiert, das klappt einfach. Das mag ich sehr. Überhaupt diskutieren wir zwei nicht mehr so oft wie früher. Seit ich wieder arbeiten gehe und Papa Elternzeit hat, finde ich tagsüber den Abstand, den ich brauche. Dann bin ich entspannter und wir schaukeln uns nicht so hoch. Das gefällt mir sehr, denn nun mag ich mich wieder als Mutter. Ich hoffe, Dir geht es genau so.

Meine kleine Maus, ich bin so erstaunt über Dich. Über den Mensch, der Du geworden bist. Der mich jeden Tag überrascht. Der mich umhaut. Der mich auf die Palme bringt. Der mich zum Lachen bringt. Und zum Weinen. Und der so viel Liebe in mir macht. Danke!

In Liebe,
Mama

Kommentare:

  1. *hach* Schon sooo lange?
    Alles Gute!!

    s Faultier

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  2. Das Bild wie so nebeneinander liegen ist herrlich, unbedingt verschenken, wenn sie mal "groß" sind :-)

    Ansonsten bewundere ich mal dein Durchhaltevermögen...während Kind 1 noch mit einem geklebten Album mit kleinen Anekdötchen gesegnet ist, hat Kind 2 immerhin ein Blankoalbum gekauft bekommen, in dass dann liebevoll mal das ein oder andere Foto gelegt wurde.
    Kind 3 hat nicht mal das.....

    Liebe Grüße
    Fränzi

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