2. Januar 2015

Blau lässt der Enzian sein Band durch die Frühlingslüfte flattern

Gestern noch vom Nähvorsatz für 2015 geschwärmt, heute von Frau Kirsche in den Stoffladen der Wahl geschleppt, um mein Nichtstoffkaufen in ein gefälliges Gegenteil zu verkehren. Ich widerstand. Das kann ich. Nicht das tun, was ich soll. Das habe ich von Wulfhild gelernt.

Es wurde mir aber auch leicht gemacht, denn Kindersachen nähen steht ja nicht auf Platz 1 der Prioritätenliste und so konnte ich die wirklich schönen, bunten Kinderjerseys außer Acht lassen und an ihnen vorbei in Richtung dezente Webware schweben. Frau Kirsche hatte ich am Empfang im Spieleparadies formerly known as one on one Betreuung durch die Abschneiderin abgegeben, auf dass sie mir nicht in den Rücken falle beim Nichtstoffkaufen. Dieser Plan ging erstmal auf. Ich befingerte hier ein Visköschen, schlug dort Funken für ein Polyesterchen und tätschelte im Vorbeigehen einem Jerseylein das flauschige Flänkchen. Ganz relaxt, denn ich brauche ja nichts. Ich will auch gar nichts. Was soll ich denn mit Stoff? Hab ich doch zuhause.

Dann sah ich Blau.

Das ist jetzt nicht zu vergleichen mit zur Post gehen, es beschreibt eher die plötzliche Tunnelblickanziehung, die blaue Stoffe auf mich ausüben. Richtig schöne blaue Stoffe. Eine Zeit lang hatte ich das auch mit Rot, aber rote Kleidung ist ja ein wenig signalhaft, so dass es bisher bei einem knallroten Kleid blieb. Das innerlich immer ein Weihnachtskleid sein wird, auch wenn es das nie war. Rot halt.

Zurück zu Blau.

Ich verfalle einem dunkelblauen Jersey. Mit ordentlichem Rücksprung, wie die Abschneiderin verkaufsfördernd einwirft. Ich habe kurze Stoffkaufpanik, denn daraus könnte man ja was feines nähen, wenn demnächst ein Nähzimmer zur Verfügung steht. Außerdem muss man ja Stoff kaufen, wenn man nähen will. Und wer würde direkt am 2. Januar seinen eigenen Vorsätzen im Weg stehen wollen? Vorsätzlich, sozusagen? Keiner. Richtig.

Aber ich bin standhaft, da ich ja nur blaue Kleider nähe und eigentlich auch mal was anderes haben möchte. Und die Nähmaschine ja gerade sowieso eingemottet ist. Und alles andere in Umzugskartons dem Tageslicht hinterher weint.

Zuhause stelle ich fest: Ich habe fast keine blauen Kleider. Höchstens einige. Und von denen sind die meisten gar nicht selbstgenäht. Das zählt doch dann gar nicht, oder? Ich geh vielleicht morgen nochmal um den Block. Denn demnächst liegen ja mehr als 290 m zwischen mir und dem blauen Stoff. Und diesem etwas weniger stretchigen, dafür aber anders blauigem anderen Stoff. Und dem Rest von Frau Kirsches Wollstoff. Und dem Sternenjersey. Für die Kinder.

1 Kommentar:

  1. Diese Zurückhaltung macht bestimmt auch Magengeschwüre, das kann nicht gesund sein!
    Es war so wunderbar <3

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