18. Februar 2015

Big brother is watching

Neulich schüttelte der Fußabtreter des Elfenbeinturms alles einmal durch und ich in Folge um. Fortan befand sich die Kaffeemaschine im vierten Stock, mein Büro aber im dritten. Nichts lerne ich schneller, als wo der Kaffee herkommt. Der Kaffee ist wo? Im vierten Stock.

Dann jedoch wurde ich schlagartig alt und folgerichtig alterssenil. Und zog um, vom dritten in den fünften Stock.

Seitdem verbringe ich ziemlich viel Zeit im Treppenhaus. Denn jedes Mal, wenn noch kein Kaffee auf dem Schreibtisch steht, eine leere Kaffeetasse auf dem Schreibtisch steht, schon fast kein Kaffee mehr in der Kaffeetasse auf dem Schreibtisch ist oder ich mit der Schweizerschwäbin einen Kaffee trinken muss, mache ich mich auf den Weg. Den Gang entlang, leere Kaffeetasse in der Hand und somit Endziel vor Augen. Schwungvoll schwinge ich die Tür ins Treppenhaus auf und bewundere die Aussicht über die Kaiserstadt. Gläserne Wände haben doch schon was schickes, wenn man den schönsten Dom der Welt sehen kann.

Schwungvoll mache ich mich an den Aufstieg, die leere Kaffeetasse in der Hand und somit das Endziel vor Augen. Der Schwung schwingt mich bis fast auf den Zwischenabsatz, da wird mir klar, dass ich wieder falsch gelaufen bin. Der Kaffee ist ja jetzt unter mir. Ich schwinge mit dem Restschwung des fröhlichen Gierigen bis auf den Zwischenabsatz, drehe ein bis zwei Pirouetten und mache eine höfliche Verbeugung in Richtung potentielle Zuschauer. Denn wo ich gucken kann, können andere das auch.

Theatralisch beschwingt swinge ich, die leere Kaffeetasse in der Hand als Mikro benutzend, zurück in den fünften Stock und dann schnell und geschwind auf leisen Pfoten noch weiter in den vierten Stock. Dahin, wo die Kaffeemaschine steht.

Da, wo ich den Schlüssel nicht direkt aus der Tasche ziehen kann, weil der sich irgendwo in einem Faden verhakt hat. Wo er sich dann nicht galant ins Schloss schieben lässt, weil ich erst den vom Vertretungsbüro nehme, da ich ja versiert und souverän wirken möchte, für den Fall, dass jemand zuguckt. Da, wo die leere Kaffeetasse zum Glück noch nicht auf nackten Treppenhausfliesen zerborsten ist.

Berühmt zu sein, das wäre nichts für mich. Zu viele Zuschauer. Viel zu viele.

1 Kommentar:

  1. Das sind aber auch eindeutig zu viele Veränderungen in so kurzer Zeit... Hoffentlich hast du für morgen schon eine neue Kaffeetasse, mit Koffeinentzug unter Beobachtung ist ja nicht zu spaßen...
    lg Sternie

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