9. März 2015

11. Brief an Thorin

Lieber Thorin,

Du bist ein Schlingel! Kaum hatte ich letzten Monat den Brief an Dich fertig, fingst Du am 10. Februar an, Dich überall hochzuziehen. Du bleibst zwar weiterhin der weltschnellste Robber, denn Krabbeln ist klar für die anderen, aber ankommen reicht Dir nicht mehr, Du musst hoch. Kann ich verstehen, man ist dann ja auch viel näher an den ganzen Sachen, an die man nicht ran darf.


Sollte es mir zu denken geben, dass Du Dich das erste Mal hochgezogen hast, als Du unbedingt an mein Handy wolltest, das auf der Couch lag? Andererseits willst Du ja auch immer mit Almas Lieblingsspielzeug spielen und sie mit Deinem. Das ist dann wohl so.

Auch klar ist, dass Du Dich am Anfang nur mit der Kraft Deiner Arme hochgezogen hast. Dich wird mal nichts halten können, Du bist unglaublich. Inzwischen geht es aber auch aus den Beinen heraus und Du kommst gut im Stand an. Sogar so gut, dass Du mit einer Hand loslässt und Dich drehen kannst. Da kann dann natürlich noch besser gespielt werden, also eine lohnenswerte Übung.

Und was ich gar nicht wusste: Du kannst schon seit einigen Wochen - nehmen wir mal an, dass Papa eigentlich Tage meint - Deine Flasche alleine festhalten. Mir hast Du Schlingel ja immer vorgegaukelt, dass Du meine Hilfe brauchst und allerhöchstens charmant mit einer Hand beim Trinken spielen kannst. Aber Du wirst anscheinend groß und kannst Sachen alleine.


Worauf ich aber gut verzichten könnte, das ist Deine große Geschicklichkeit im auf den Bauch werfen und losrobben, sobald Du gewickelt werden sollst. Oder musst. Dann wirst Du unglaublich wütend, wirfst Dich herum und kugelst einem halb den Arm aus, denn da ist Kraft dahinter. Damit könntest Du bitteschön wieder aufhören. Sehr bald.

Dein Onkel Kim war mit Tante Maren und Deiner Cousine Malina auf Antrittsbesuch bei uns zuhause. Das hat Dir, glaube ich, gut gefallen. Du hast zumindest versucht, das Baby zu streicheln. Versucht, da liegt die Betonung, denn ich bin weiterhin der Meinung, dass Du ganz schöne Wurstfingerchen und das Geschick vom grünen Hulk hast. Aber Du musst ja nicht Goldschmied oder Zahntechniker werden, Abrissbirne geht auch.

Papa übt sein ein paar Tagen mit Dir ein Steckspiel: Holzplatten auf Stäbe stecken, wobei man die richtige Anzahl Stäbe treffen muss. Kreise auf einen Stab, Rechtecke auf zwei Stäbe, Dreiecke auf drei Stäbe und Quadrate auf vier. Ja, frühkindliche Förderung, könnte man meinen. Nachdem Du erstmal getestet hast, wie fest diese Stäbe denn auf der Platte sind - nicht fest genug, dankeschön - schaffst Du es nun schon ganz gut, die einzelnen Teile aufzustecken. Natürlich nicht genau, was wohin gehört, aber wenn Du richtig triffst, dann passt es auch. Ganz vorsichtig. Ich bin ziemlich beeindruckt.

Letzte Woche waren wir bei LaOma und Vati Basmati und Du finst plötzlich an zu fremdeln. Was soll das denn? Dass Du nicht gerne alleine in einem Zimmer bleibst, das wissen wir ja schon, aber jetzt wird es doch ein bisschen anstrengend. Am liebsten auf den Arm, am liebsten mit Schnuller. Das kann ruhig wieder aufhören. Vor allem, weil Du nicht der leichteste bist. Die 10 kg hast Du ja schon geknackt und seit ich das weiß, bist Du irgendwie noch schwerer geworden. Aber Du bist auch lang und trägst die Anziehsachen, die Deine "große" Schwester erst mit anderthalb oder zwei getragen hat. Nun ist die ziemlich klein und zart, aber es ist doch erstaunlich und immer für einen Lacher gut.


Und was das Schlafen angeht: wir üben ja immer noch. Seit einer Woche tricksen wir Dich aus! Abends um zehn nehmen wir Dich schlafend aus dem Bett, geben Dir eine Milchflasche und Du trinkst sie aus. Was soll man auch machen, wenn einem Nahrung angeboten wird. Nach ein paar Nächten mit verwirrter Verdauung schaffst Du es nun ausgezeichnet, bis um sechs zu schlafen. Keine nächtliche Panik, zu verhungern. Gut, man muss schon noch ab und an den Schnuller wieder reinstecken, damit Du weiterschlafen kannst, aber dafür reicht Papas und Mamas Autopilot. Eine Flasche machen und füttern war da schon eine ganz andere Nummer. Hoffentlich entspannen sich die Nächte nun ein bisschen, denn Papa muss ja auch bald wieder arbeiten und dann wäre es schön, auch mal schlafen zu können. Bitte ja?

Nun denn, ich bin gespannt, was Du ab morgen kannst. Und ich bin wahnsinnig gespannt, wie das mit dem Hochziehen und Stehen und so weitergeht. Alma war damit auch ungefähr zu diesem Alter dran, aber dann dauerte es noch ganz schön lange, bis zu den ersten Schritten ohne Hand.

Es ist so eine spannende Reise mit Dir, mein kleiner Mann. Danke, dass Du mich mitnimmst.

In Liebe,
Mama

1 Kommentar:

  1. Das hast du wieder ganz wunderbar geschrieben! Toll dein kleiner Räuber :)
    Und ich muss jetzt auch ganz dringend was zu den 11 Monaten schreiben, bevor wir hier Geburtstag feiern. Wäre da nicht der fehlende Antrieb, den du so schön in deinem zweiten Post von heute beschrieben hast... kann das nur zu gut nachvollziehen.
    lg Sternie

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